Neos vs. TYPO3

25. März 2021

Das Neos CMS entstand aus der TYPO3-Version 5.0. Seit 2015 ist es ein eigenständiges CMS, das sich vor allem in der Usability von TYPO3 unterscheidet. Neos ist bisher weniger verbreitet, namhafte Unternehmen wie Heineken, Rakuten und H-Hotels nutzen das CMS allerdings schon.

Neos aus Sicht verschiedener Rollen

 

Projektleiter / Productowner

Kosten. Neos ist genau wie TYPO3 ein Open Source CMS. Die Nutzung des Systems ist also kostenfrei. Es gibt zahlreiche Erweiterungen für beide CMS, für die ebenfalls keine Zusatzkosten anfallen. Allerdings werden nicht alle Erweiterungen immer auf dem aktuellsten Stand gehalten. Bei einer Aktualisierung der verwendeten CMS-Variante kann deshalb Aufwand für die Entwickler entstehen, um alle Funktionalitäten zu erhalten.

Enthaltene Features. Großer Wert wird auf Suchmaschinenoptimierung gelegt – die Pflege von relevanten Metadaten und lesbare URLs sind bereits im Standard von Neos enthalten. Diese Features gibt es auch in der aktuellsten TYPO3 Version. Neos erlaubt Redakteuren allerdings auch die Pflege von sprechenden Social Media Links, die in der heutigen Zeit unverzichtbar sind. Außerdem punktet Neos in der Usability für Redakteure (siehe Ansatz "Redakteure").

Mehrsprachigkeit. Sowohl das Backend als auch die Website selbst lassen sich ohne großen Mehraufwand mehrsprachig anlegen. Auch wenn die grundlegenden Möglichkeiten zur Internationalisierung recht schlank gehalten sind, gibt es kostenlose Erweiterungen, die sich für individuellere Use Cases eignen.

SEO. Neos bringt bereits viele pflegbare SEO-Standards mit sich, ohne dass ein zusätzlicher Entwicklungsaufwand entsteht. So ist es für jede Seite möglich, Meta-Tags wie Titel, Description oder Canonical Links individuell festzulegen. Auch Open Graph Informationen können durch Redakteure unkompliziert gepflegt werden. TYPO3 hat in diesem Bereich mit den letzten Versionen allerdings stark aufgeholt und stellt diese Funktionen ebenfalls mit Bordmitteln bereit.

Sicherheit. Neos und TYPO3 achten auf einen hohen Sicherheitsstandard bei der Weiterentwicklung des jeweiligen CMS. Durch seinen bisher eher geringeren Marktanteil ist Neos aber ein sehr unattraktives Angriffsziel.

 

Redakteure

Benutzerfreundlichkeit. Das Neos-Backend ist nach dem WYSIWYG-Prinzip ("What You See Is What You Get") strukturiert. Der Redakteur erkennt also auf einen Blick, wie die Seite für den Endnutzer später aussieht. Für jedes Inhaltselement kann ein eigenes Font-Awesome-Icon festgelegt werden. Elemente sind dadurch leicht wiedererkennbar und das zügige Einpflegen wird erleichtert. Die Elemente können in selbst erstellten Gruppen sortiert werden. So können Redakteure auch bei einer Vielzahl von Elementen eine übersichtliche Struktur anlegen.

An jedem Inhaltselement kann ein Hilfetext und ein Bild hinterlegt werden, sodass der Redakteur bereits vor Auswahl des Elements erkennt, welche Funktionen es hat. Dadurch können sich auch neue Redakteure schnell und unkompliziert einarbeiten.

Erstellen eines neuen Inhaltelementes mit Neos

Erstellen eines neuen Inhaltelementes mit TYPO3

Auch innerhalb des Inhaltselements kann – falls notwendig – jede zu pflegende Eigenschaft mit einem Hinweis für den Redakteur versehen werden. Ein praktisches Beispiel: die Mindestmaße für Bilder angeben. Auf diese Weise erhält der Redakteur eine Art "integrierte Anleitung" innerhalb des Backends, die ihm jederzeit zur Verfügung steht und dennoch nicht aufdringlich ist.

Ein weiterer großer Vorteil: Inhaltselemente lassen sich innerhalb einer oder sogar zwischen verschiedenen Seiten ausschneiden, kopieren und einfügen. Ein Inhaltselement, das an einer falschen Stelle angelegt wurde, kann einfach verschoben werden. Und oft benötigte Inhaltselemente müssen nicht jedes Mal neu angelegt werden.

In TYPO3 gibt es keinen WYSIWYG-Editor. Stattdessen werden die Inhalte in einer abstrahierten Form dargestellt, die nur schwer erahnen lassen, was der Nutzer einmal sehen wird. Auch die Vorschau der Elemente durch Thumbnails ist mit diesem CMS nicht möglich.

Veröffentlichen von Inhalten. Inhalte, die der Redakteur pflegt, werden nicht sofort für den Endnutzer sichtbar. Das ist ein großer Vorteil im Gegensatz zu TYPO3, denn so ist es möglich, Inhalte erst  zu überprüfen oder von anderen Redakteuren abnehmen zu lassen. Die unveröffentlichten Änderungen können entweder separat oder alle gemeinsam veröffentlicht werden. Außerdem kann der Zeitpunkt einer automatisierten Veröffentlichung festgelegt werden. Änderungen, die nicht den gewünschten Anforderungen entsprechen, können verworfen werden.

Änderungen in Neos können vor dem Veröffentlichen überprüft und einzeln verworfen werden.

Rechtemanagement. Nutzern von Neos können verschiedene Rollen zugewiesen werden:

  • "Restricted" Editoren dürfen im CMS Änderungen vornehmen, diese aber nicht veröffentlichen
  • Editoren dürfen Änderungen vornehmen und diese auch veröffentlichen
  • User Manager sind berechtigt, weitere CMS-Nutzer anzulegen
  • Administratoren haben keinerlei Einschränkungen

Die Entwickler können diese Standardrollen auch individuell erweitern. Im Vergleich zu TYPO3 ist das Rechtemanagement überschaubar gehalten – für komplexere Zugriffsbeschränkungen kann mit Neos ein höherer Entwicklungsaufwand entstehen.


Entwickler

Installation. Die Installation eines neuen Neos-Systems gestaltet sich unkompliziert und kann mit einem Docker-Image realisiert werden. Auch das Kopieren mehrerer Instanzen ist bequem.

Erweiterbarkeit. Neos eignet sich sehr gut, um Drittsysteme zu verknüpfen: Shop-Integrationen, CRM oder andere Drittsoftware kann unkompliziert angebunden werden. Ebenso verhält es sich in TYPO3.

Wartung und Pflege. Wie gut der Wartungsaufwand einer Neos-Webseite ist, hängt von den Entwicklern ab. Neos ermöglicht eine extrem hohe Wiederverwendbarkeit von Code. Gleichzeitig birgt der große Freiraum die Gefahr, unlesbaren Code zu schreiben. Eine gute Benennung von Variablen und Elementen ist ebenso existenziell wie eine durchdachte Strukturierung. Wenn während der Entwicklung darauf geachtet wird, ist der Code sehr gut wartbar.


Endnutzer

Eine erfolgreiche Webseite zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass der Endnutzer und somit der Kunde zufrieden ist. Dazu tragen vor allem die folgenden Punkte bei:

Caching. Das Caching hilft, (wiederkehrende) Seiteninhalte schneller bereitzustellen. Auch Webseiten, die viele, große Inhalte haben, können dann weiterhin performant geladen werden. Das verringert sowohl die Ladezeiten als auch das verbrauchte Datenvolumen. Es gibt jedoch verschiedene Faktoren dafür, welche Inhalte für welche Dauer gecached werden sollen. Ziel ist es, keine veralteten Informationen anzuzeigen. Sowohl TYPO3 als auch Neos bieten zahlreiche Möglichkeiten, um für jeden Fall die ideale Performance zu erzielen.

Design. Eine benutzerfreundliche Webseite zeichnet sich durch abwechslungsreiches, aber dennoch strukturiertes und wiederkehrendes Design aus. Damit Redakteure die Seite dementsprechend pflegen, gibt es in Neos individuelle Seitentypen, die durch die Entwickler definiert werden. Pro Seitentyp kann eine Anleitung hinterlegt werden, die beschreibt, wie diese Seite aussehen soll. Die zu verwendenden Inhaltselemente können ebenfalls limitiert oder erweitert werden. Auch in TYPO3 lassen sich Seitentypen definieren. Dort gibt es allerdings keine Anleitung für den Redakteur. Das Wissen zur korrekten Pflege wird implizit vorausgesetzt, um dem Endnutzer eine einheitliche Webseite anzubieten.

Suche. Nicht zuletzt ist es für den Endnutzer wichtig, dass er schnell und einfach die für ihn relevanten Inhalte erreicht. Daher ist die Suchfunktion auf komplexen Webseiten unverzichtbar. Sowohl Neos als auch TYPO3 bieten durch die Anbindung von weiteren Systemen die Möglichkeit, die Suche komplex zu gestalten. Die Bedürfnisse lassen sich an den Nutzer anpassen, Grenzen sind nicht gesetzt.


Fazit

Die Wahl des geeigneten CMS hängt von den Bedürfnissen des Kunden ab. Liegt der Schwerpunkt auf den Aspekten

  • Benutzerfreundlichkeit / leichte Erlernbarkeit
  • Vorschau
  • automatisierte Veröffentlichungen zu einem gewählten Zeitpunkt
  • moderate Backend-Funktionalitäten
  • Wartung und Pflege
  • SEO

kann Neos das geeignetere System sein.

Bei den Punkten

  • Berechtigungen für Backend-Nutzer und
  • komplexe Backendfunktionalitäten

kann TYPO3 vorn liegen.

Beide Systeme sind gleichermaßen stark hinsichtlich der geringen Wartungskosten, der Mehrsprachigkeit, der Sicherheit und der Performance für den Endnutzer.

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Philipp Menzel
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