WordPress vs. TYPO3

30. April 2021

Welches CMS ist die bessere Wahl für das eigene Website-Projekt?

Es ist eine der essenziellsten Fragen, die im Zuge einer Anforderungsanalyse evaluiert werden muss: Welches Content-Management-System soll die Basis für eine neue Webseite bilden? Nicht nur bei 3m5. sondern im gesamten DACH-Raum gehören TYPO3 und WordPress zu den am häufigsten eingesetzten Systemen. Der vorliegende Artikel vergleicht aus der Stakeholder-Perspektive die beiden Systeme und soll die jeweils größten Vorteile herausstellen.

 

Stakeholder-Perspektive: Product Owner

Kosten. WordPress und TYPO3 sind Open Source und die Verwendung damit grundsätzlich kostenlos. Großen Einfluss auf die Gesamtkosten haben die folgenden Fragestellungen:

  • Soll es ein individuell erstelltes Design geben oder sind Anpassungen an einem vorgefertigten Theme ausreichend?
  • Wie viele Inhalte sollen gepflegt werden?
  • Sollen externe Systeme (z. B. PIM, DAM, Shop) angebunden werden?
  • Wie hoch sind die Sicherheitsanforderungen?
  • Wie performant soll die Website sein?

Um die Basisfunktionalitäten des CMS um bestimmte Funktionen zu erweitern, stellen sowohl Entwickler aus der Community als auch professionelle Agenturen ihre selbst entwickelten Erweiterungen bereit.

Die Menge verfügbarer Plugins und Themes für WordPress ist enorm. Diese kosten zwar oft eine geringe Lizenzgebühr, können aber schnelle Ergebnisse liefern. Der Funktionsumfang von WordPress kann vor diesem Hintergrund oft sehr schnell zu geringen Kosten erweitert werden.

In der Welt von TYPO3 gibt es insgesamt weniger Erweiterungen, dafür ist das System durch seine offene Architektur eine ideale Grundlage, um es nahtlos in eine bereits vorhandene Systemlandschaft einzubinden. Die Individualisierbarkeit und auch die Skalierbarkeit sind enorm.

 

Mehrsprachigkeit. Bei international ausgerichteten Webseiten sollen die Inhalte übersetzbar und die Website in verschiedenen Sprachen ansteuerbar sein. WordPress unterstützt Mehrsprachigkeit nicht Out-of-the-box. Dies lässt sich aber über entsprechende Plugins nachrüsten.

TYPO3 liegt in diesem Bereich vorn, das es als Enterprise-Content-Management-System ein natives Übersetzungsmanagement bereits mitbringt. Das Anlegen neuer Sprachen ist einfach und hat wenig Einfluss auf die generelle Übersichtlichkeit und Performance des Systems.

     

     

    TYPO3 Multilanguage

    SEO. Hinsichtlich Suchmaschinenoptimierung bieten beide Systeme eine gute Grundfunktionalität. WordPress hat eine gut strukturierte Codebasis, die von Suchmaschinen ideal interpretiert werden kann. Die SEO-Features können über Plugins in verschiedene Richtungen noch erweitert werden. Das macht die Arbeit mit WordPress sehr flexibel, da genau die Werkzeuge installiert werden können, die die Redakteure benötigen.  

    TYPO3 hat hinsichtlich SEO-Features mit den letzten Versionen stark aufgeholt. Mit Bordmitteln ist es mittlerweile auch hier möglich, das System redaktionell für Suchmaschinen zu optimieren. Das betrifft zum Beispiel sprechende URLs, automatische Sitemaps und editierbare Meta-Daten.
    Erwähnt sei noch, dass die wohl bekannteste Software zur SEO-Optimierung „Yoast SEO“ für beide Systeme verfügbar ist.

     

      TYPO3 SEO mit Yoast / Wordpress SEO mit Yoast

      Sicherheit. Rund ein Drittel aller Webseiten weltweit basieren auf WordPress (Historical yearly trends in the usage statistics of content management systems, January 2021). Das macht das System sehr attraktiv für Angriffe jeglicher Art. Schon allein deswegen spielt das Thema Sicherheit bei WordPress eine sehr große Rolle. Das Entwicklerteam von WordPress veröffentlicht regelmäßig Sicherheitsupdates, was das System in der Basis sehr sicher macht. Eine größere Gefahr entsteht durch die Installation von Plugins. Diese werden oft durch Drittanbieter entwickelt. Es ergibt sich eine Abhängigkeit, dass diese Plugins durch den Anbieter ebenfalls langfristig weiterbetreut werden. Die Installation eines Plugins sollte daher gut abgewogen werden.

      Die gleiche Systematik gibt es auch bei TYPO3. Es gibt eine Roadmap, anhand derer sich für den Betreiber langfristig planen lässt, wie lange es offizielle Sicherheitsupdates für eine Hauptversion geben wird. Durch seine im Vergleich wesentlich geringere Verbreitung ist TYPO3 aber ein weniger attraktives Ziel als WordPress.

      Stakeholder-Perspektive: Redakteur

      Benutzerfreundlichkeit. Die hohe Verbreitung von WordPress kommt nicht von ungefähr. Das System ist äußerst einsteigerfreundlich und bietet ein klar strukturiertes Backend für Redakteure. Durch den WYSIWYG-Ansatz können auch Einsteiger schnell die ersten Inhalte einpflegen. Theoretisch ist sogar das eigenständige Installieren von Plugins und Themes ohne Programmierkenntnisse möglich, wenngleich das für Redakteure nicht zu empfehlen ist.

      TYPO3 verfolgt dagegen einen Enterprise-Ansatz. Das Erstellen und Pflegen von Seiten ist vergleichsweise komplizierter und benötigt Einarbeitung. Oft ist auch die Investition in eine Schulung sinnvoll. Es gibt sogar eine offizielle TYPO3 Zertifizierung für Editoren. Ist man aber erst einmal mit dem TYPO3 Backend vertraut, ist die Arbeit mit dem System sehr komfortabel.

      Wordpress Contentelement / TYPO3 Contentelement

      Rechtemanagement. Wenn es um die Verwaltung von Benutzern geht, kann TYPO3 seine Stärken voll ausspielen. Die Rollen und Rechte können sehr feingranular konfiguriert werden. Das geht weit über ein einfaches Beschränken von Editierrechten auf Seitenebene hinaus. So ist es beispielsweise möglich Einstellungen für einzelne Felder, Datensätze, Module oder auch Ordner vorzunehmen und dabei zwischen Lese- und Schreibrechten zu unterscheiden. Es ist außerdem möglich, Nutzergruppen zu erstellen und deren Einstellungen zu vererben.

      In WordPress gibt es ohne die zusätzliche Installation von Plugins keine Möglichkeiten, um ein Rollen- und Rechtekonzept in vergleichbarem Maße umzusetzen. In der Basisinstallation von WordPress wird einzig zwischen der Admin- und Redakteursrolle unterschieden.

      TYPO3 Rechte

      Formulare. WordPress bietet von Haus aus keine Formular-Funktionalität. Hierfür muss auf eines der zahlreich vorhandenen Plugins zurückgegriffen werden. Das bietet zwar Flexibilität, bringt aber auch die bereits genannten Nachteile durch die Installation eines zusätzlichen Plugins mit sich.

      TYPO3 kann hier wieder mit einem eingebauten Formular-Baukasten punkten. Dieser umfasst die gängigsten Eingabefelder (z. B. Text, Zahl, Datum, Checkbox). Weiterhin können je Formular individuelle E-Mail-Texte und -Empfänger hinterlegt werden.

        TYPO3 Formulare

        Stakeholder-Perspektive: Entwickler

        Installation. Die Installation einer WordPress-Instanz ist selbst für Laien keine große Herausforderung. Der offizielle “Getting started”-Guide ist kurz, prägnant, aber ausreichend beschrieben. Mittlerweile gibt es zahlreiche Anbieter, die neben einem normalen Webhosting auch ein WordPress-Hosting anbieten, bei der auf eine bereits vorinstallierte WordPress-Installation zurückgegriffen werden kann.

        Für eine TYPO3-Installation sind fortgeschrittene Kenntnisse und auch mehr Zeitaufwand erforderlich.

        Erweiterbarkeit. Beide Systeme sind durch ihre Open Source Lizenz und den großen Communities umfangreich erweiterbar. Auch für komplexere Anforderungen wie eine Shop-Integration oder Schnittstellenanbindungen gibt es für beide Systeme vorgefertigte Lösungen.

        Wartung und Pflege. Die Wartung einer WordPress-Website kann sich in bestimmten Situationen als durchaus herausfordernd darstellen. Neben WordPress müssen auch regelmäßig die Plugins auf eine neue Version aktualisiert werden. Wenn auf viele Plugins von Drittanbietern zurückgegriffen wurde, kann die Komplexität und der Aufwand für eine eventuelle Fehleranalyse steigen. Oft ist nicht eindeutig, welches Plugin für einen Fehler verantwortlich ist. Auch die Kompatibilität von Plugins untereinander ist nicht immer gegeben.

        Ein Major-Upgrade einer TYPO3-Seite ist oft mit höherem Aufwand verbunden als bei einem derartigen Versionssprung bei WordPress. Die Änderungen zwischen zwei Major-Versionen bringen fast immer Breaking Changes mit sich. Dies muss vorab für ein System individuell anhand des Changelogs analysiert werden. Daraus ergeben sich dann die notwendigen Anpassungen, damit die Website auch auf der neuen Version stabil läuft. Der Aufwand der Installation der regelmäßig veröffentlichten Minor Updates ist dagegen sehr gering, da diese keine Breaking Changes mit sich bringen.

        Beide Systeme bieten ausreichend Möglichkeit, Komponenten wiederzuverwenden und übersichtliche Strukturen zu schaffen. Dafür sind regelmäßige Abstimmungen innerhalb des Projektteams und erfahrene Entwickler unverzichtbar. Dies wirkt sich letztlich für den Kunden positiv auf die Wartungskosten und ein stabiles, sicheres System aus.

         

        Stakeholder-Perspektive: Endnutzer

        Performance. Einen großen Einfluss auf die Ladezeiten und Performance einer Webseite hat das Caching. WordPress bietet mit Bordmitteln kein umfangreiches Caching. Es empfiehlt sich die Installation eines entsprechenden Plugins.

        Das Caching von TYPO3 ist wesentlich umfangreicher und entscheidet je nach Inhaltstyp für eine von zahlreichen Caching-Strategien.

        Suche. Eine einfache Index-Suche bieten beide CMS. Für komplexe Seiten und Seiteninhalte können im Fall von TYPO3 zum Beispiel eine Enterprise Search Engine wie Apache Solr [interner Link] angebunden werden. Im Umfeld von WordPress gibt es ebenfalls Möglichkeiten die Suche zu erweitern und dynamischer zu machen.


        Fazit

        Welches ist nun das bessere Content-Management-System? Wie so oft, gibt es hier kein Schwarz oder Weiß, Richtig oder Falsch. Beide CMS verfolgen unterschiedliche Ansätze und haben auch unterschiedliche Zielgruppen. Es ist stark von den Anforderungen an das Projekt abhängig, welches System das geeignetere ist. Bei der Evaluation sollten die folgenden Kriterien beachtet werden:

        WordPress kann das geeignetere CMS sein, wenn:

        • der inhaltliche und funktionale Umfang der Webseite gering ist
        • kein komplexes Rollen- und Rechtesystem benötigt wird
        • die Redakteure wenig Erfahrung und Einarbeitungszeit benötigen sollen
        • nicht in vielen verschiedenen Sprachen veröffentlicht wird

        TYPO3 kann das geeignetere CMS sein, wenn:

        • der inhaltliche und funktionale Umfang der Webseite hoch ist
        • eine internationale Ausrichtung mit verschiedenen Märkten und Sprachen geplant ist
        • komplexe Datenstrukturen mit dynamischen Inhalten notwendig sind
        • Drittsysteme wie Shops, PIM oder DAM angebunden werden sollen
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        Philipp Menzel
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