Wie smart ist der Einzelhandel?

19. Juni 2017

Der stationäre Handel wird digital und rüstet auf - mit smarten Technologien, die die Perspektiven von Kunden und Händlern gleichermaßen berücksichtigen. Eine Schlüsselrolle nimmt der Einkaufswagen ein. 

Ihm war der Tod durch die Digitalisierung prophezeit worden, doch der Einzelhandel ist immer noch quicklebendig. Die Verkaufsfläche in Städten und die Anzahl der Beschäftigen bleiben seit Jahren konstant (HDE, Zahlenspiegel 2016, S. 28). Dem e-Commerce trotzt der stationäre Handel, verbindet sich mit ihm und wird selbst immer digitaler. Wie smart ist der Einzelhandel? Ein Überblick mit Use Cases vom 3m5.-Kunden Wanzl und TESCO.

Innovationen für den Einzelhandel
Der Einkaufswagen als wichtigstes Instrument beim Einkaufen wird intelligenter. Er entwickelt sich zum persönlichen Einkaufsberater, der den Kunden im Supermarkt mit Navigation, gezielter Werbung, Such- und Bezahlfunktionen unterstützt. Experten erwarten, dass der Einkaufswagen hier bis 2020 an Relevanz deutlich gewinnen wird, während die Bedeutung der Kassen abnimmt. (Link) Bereits heute scannen Kunden in vielen Märkten selbst die Waren ein und zahlen an Automaten cash oder mit Karte. 


Das Innovative Retail Laboratory sieht die Kopplung zwischen dem intelligenten Kühlschrank zu Hause, der die Verfügbarkeit und einen notwendigen Nachkauf von Waren kennt. Das Szenario: Der Nutzer identifiziert sich am Einkaufswagen, bekommt seine elektronische Shopping List und eine Indoor-Navigation des Supermarktes. Der Einkaufswagen registriert die eingekauften Produkte, streicht diese von der Liste und übermittelt kann diese dem Check Out. (Intelligenter Einkaufswagen)

Video IRL Intelligenter Einkaufswagen

IRL Intelligenter Einkaufswagen

Solche smarten Konzepte wurden schon vor Jahren vorgedacht (Link), bislang aber kaum umgesetzt. 

Innovationen ganzheitlich und umfassend
Viele der Konzepte denken aus Sicht des Kunden. Entscheidender ist jedoch eine universelle Perspektive, die Händler und Kunden gleichermaßen einbezieht. Nicht nur der Kunde will seinen Einkauf einfacher gestalten, auch der Händler möchte seinen Laden effizienter ausrichten.
Ein System, welches beide Seiten verbindet, hat Wanzl, der weltweit größte Hersteller von Einkaufswagen und Anbieter kompletter Shopsysteme (Link), konzipiert.




Wanzl Connect bietet eine umfassende softwarebasierte Lösung für sämtliche Prozesse innerhalb des stationären Einzelhandels.


Wanzl Connect

Die ganzheitliche Abbildung führt zu Optimierungspotenzialen der Prozesse im Markt und ermöglicht, die Kunden durch eine entsprechende Smartphone-Anwendung kennenzulernen, die Angebote darauf auszurichten und an den Markt zu binden.

Video Wanzl Connect

Wanzl Customer Connect (DE)

Dieses Framework beinhaltet u.a. den sogenannten „Smart Trolley“. Dieser mit einem RFID-Tag versehene Einkaufswagen monitort die Position im Markt. So kann der Händler auch die durchschnittliche Verweildauer vor einzelnen Regalen erfassen. Dieses ist vor dem Hintergrund einer permanenten Regaloptimierung hilfreich.

In Kombination mit dem Smartphone des Kunden können dann auf Basis von kundenspezifischen Daten z.B. personalisierte Coupons angeboten werden.

Wenn heute von Industrie 4.0 gesprochen wird, so können wir an diesem Beispiel sehen, wie ein Defacto-Standard im Einzelhandel durch ein solches Framework geschaffen wird. Durch diesen Rahmen ist es möglich, dass Händler oder auch IT-Dienstleister einzelne Services innerhalb dieses Gerüsts anbieten. Wanzl kann sicherlich als ein Best Case im Bereich Handel 4.0 angesehen werden.

In-Store Optimierung
Neben Wanzl bietet Zebra Technologies ein Set an Einzellösungen an, um den Kunden beim Einkauf zu unterstützen oder dem Händler bei der Sortimentsplanung, Preisgestaltung und Regaloptimierung Hilfestellung zu bieten. Mit SmartSense können so Produkte und Einkaufswagen gemonitort werden. So erhält der Händler Informationen über Verweildauer, Weg durch den Markt und Produktkauf. (Link)


Lösungen für den Einzelhandel von Zebra Technologies

Eine Untersuchung von Zebra Technologies kommt zu dem Ergebnis, dass volle Regale bis zu 20 Prozent mehr Warenumsatz bringen können. Die Nutzung von Regalen kann mittels RFID-Chips und Videokameras überwacht werden. So ist der Händler rechtzeitig in der Lage, das Regal aufzufüllen - eine einfache, aber effektive Idee. (Link)

„Ich weiß, was Du morgen brauchst…“
Neben der Optimierung direkt im Store, fängt die wahre Innovation bereits zu Hause an. Die Bedürfnisse jedes Kunden sind individuell und hängen von äußeren Rahmenbedingungen wie Wochentag, Wetterlage oder bestimmten Ereignissen ab.

Die größte Supermarktkette in Großbritannien, Tesco, hat vor wenigen Monaten auf Tescolabs ein Tool vorgestellt, bei dem die Kunden mit einfachen Regeln bestimmte Routinekäufe automatisiert planen und durchführen können. So kann automatisch nach der Methode „If This Then That“ ein Kauf ausgelöst werden, wenn z.B. ein Preis unter einen bestimmten Betrag fällt.


(Link) Tesco sieht eine Verbindung von Amazon zu Alexa vor.

Handlungsempfehlung – Technologie jetzt

In vielen Branchen des Einzelhandels kannibalisiert der e-Commerce Teile des stationären Handels, im Bereich des Buchhandels sicherlich mehr als im Bereich von Lebensmittel.
Der stationäre Einzelhandel wird aber seine Funktion mit Beratung und schneller Warenverfügbarkeit vor Ort behalten. Ziel ist es, den stationären Handel intelligenter zu machen. Elektronische Preisetiketten, RFID-Chips, Nutzung des Smartphone als Einkaufshelfer sind schon heute möglich. Wichtig ist, dass bei allen Einzellösungen die gesamte Wertschöpfungskette betrachtet wird.

Warenverfügbarkeit und Sortimentsplanung können heute schon je nach Kundenpräferenzen optimiert werden. Die Technologie ist da, der Nutzen liegt auf der Hand.
Nicht nur durch eine emotionale Ansprache im Store wird ein Kundenerlebnis geschaffen. Die direkte Einbeziehung des Kunden durch die Technologie bzw. sein Smartphone sorgt für eine Steigerung des Involvement und damit auch zu einer faktischen und emotionalen Kundenbindung.

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