Test statt Lichtbild: Wie 3m5. trotz Fachkäftemangel neue Mitarbeiter findet

31. August 2017

Obwohl es in Deutschland über 50 000 offene Stellen für IT-Entwickler gibt, werden bei 3m5. die Bewerber getestet. Die Ergebnisse zählen mehr als tolle Lebensläufe oder schicke Fotos. Ziel: Leute finden, die die Besten sind und passen. 

Bei wenigen Jobmessen bemühen sich Unternehmen so sehr um die junge Zielgruppe wie auf solchen im IT-Bereich. Es herrscht Fachkräftemangel. »Wir nehmen eigentlich jeden, der programmieren kann«, sagte kürzlich der Personalmanager eines mittelgroßen IT-Unternehmens auf einer Jobmesse in München. Wie er sehen das viele seiner Kollegen: Nach Angaben des Branchenverbands Bitkom können deutsche Unternehmen derzeit etwa 51 000 offene Stellen im IT-Bereich nicht besetzen.

Umso überraschter sind Bewerber dann von dem, was sie bei 3m5. zu hören bekommen. Recruiting-Managerin Sandra Hendrich: »Wenn uns ein Bewerber fachlich interessiert, laden wir ihn erst einmal zu einem Test ein.« Einige Kandidaten springen hier schon ab. Das nimmt 3m5. in Kauf. Geschäftsführer Michael Eckstein: »Wir arbeiten für die Besten, also für Marken- und Marktführer in vielen Branchen. Logisch, dass wir dafür die besten Köpfe der Republik brauchen.« Nur jeder 20. Bewerber werde eingestellt. Ist das elitär? »Ich glaube schon, dass wir hier eine Elite haben«, sagt Eckstein. »Wer hier arbeitet, kann mit seinen Kollegen auf Augenhöhe zusammenarbeiten.«

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Der Bewerbungstest hat es in sich. Entwickelt haben ihn die 3m5.-Webingenieure selbst, es gibt ihn für verschiedene Programmiersprachen wie Java, JavaScript, PHP oder TYPO3. Welchen Test der Bewerber absolvieren will, entscheidet er selbst. Etwa zweieinhalb Stunden hat er Zeit, um die Aufgaben zu lösen. Das kann er auch von seinem Rechner daheim aus erledigen. Denn es geht nicht um auswendig Gelerntes, sondern um Programmierung.

»Mit dem Bewerbertest wollen wir herausfinden, wer mit seiner Arbeitsweise und seinem strukturellen Ansatz in unser Team passt«, erläutert Andreas Wiedenfeld von 3m5., der einen der Tests entworfen hat. »Dabei muss der Bewerber nicht unbedingt alles richtig machen, aber er muss die Grundlagen der Programmierung beherrschen.« Sauberes, objektorientiertes Entwickeln und Konzipieren sei die Grundlage für ein erfolgreiches Projekt bei 3m5. Wer etwas nicht weiß, darf beim Test übrigens das Internet zu Rate ziehen. Wiedenfeld: »Inspiration ist immer gut und niemand kann alles auswendig, aber man muss schon wissen, wo es steht, sonst braucht man da einfach zu lange und wird den Test nicht schaffen. Eins zu eins kopierter Code wird es dabei aber schwer haben, weil er meist die gestellten Anforderungen nicht besteht.« Auch wer sich nicht als Softwareentwickler bewirbt, wird zum Test gebeten. »Diese Tests sind authentisch und entsprechen mit ihren Aufgaben dem späteren Tätigkeitsfeld der jeweiligen Stelle«, sagt Personalmanagerin Hendrich. 


Zum fachlichen Test kommt ein Psychologie-Fragebogen, den jeder ausfüllen muss, der sich auf einen Job außerhalb der IT-Entwicklung bewirbt. Dieser Test wurde eigens für 3m5. von der Psychologie-Professorin Anja Strobel von der TU Chemnitz entwickelt. »Die Fragen beziehen sich auf das Verhalten der Kandidaten in früheren, vergleichbaren Situationen. Es wird nach Begebenheiten gefragt, wie sie in der zukünftigen Tätigkeit mit hoher Wahrscheinlichkeit auftreten werden.« Ergänzt wird der Test durch praktische Aufgaben, die dem späteren Tätigkeitsfeld entsprechen. Hier stellt sich bereits heraus, ob der Bewerber zu 3m5. passt. Ein Bewerbungsgespräch macht das Bild komplett. Die Grundlage da für hat ebenfalls Psychologin Strobel erarbeitet. Das strukturierte Interview gehöre zu den aussagekräftigsten psychologisch-diagnostischen Verfahren in der Eignungsdiagnostik. Wenn der Bewerber die fachlichen Tests mit einer ausreichenden Punktzahl schafft beziehungsweise der Psychologietest den Anforderungen der ausgeschriebenen Stelle entspricht, lädt Sandra Hendrich den Kandidaten zu diesem Gespräch ein. Neben der Persönlichkeit geht es auch hier darum, ob der Bewerber ins 3m5.-Team passt. Bei Positionen in Bereichen wie Vertrieb, Projektmanagement oder Marketing müssen die Bewerber zusätzlich eine Präsentation halten. Ausdrücklich nicht entscheidend sind Studienabschlüsse, Lücken im Lebenslauf oder die Frage, ob ein Bewerber Voll- oder Teilzeit arbeiten möchte.

Wer dann bei 3m5. arbeitet, entwickelt Projekte für Kunden wie BMW, Ravensburger, L’Oréal oder Maggi. Eckstein: »Solche Unternehmen entscheiden sich für Dienstleister, auf die sie sich verlassen können – ohne Wenn und Aber. So wählerisch diese Topfirmen bei ihrer Auswahl sind, so genau nehmen wir jede Entscheidung für einen neuen Mitarbeiter. Schließlich brauchen wir seine Ideen, seine Leidenschaft und sein Fachwissen, um für unsere Kunden immer besser werden zu können.«

Die sehr niedrige Fluktuationsrate bei 3m5. gibt Eckstein recht. Nur sehr wenige Mitarbeiter haben ihm in den vergangenen Jahren ihre Kündigung übergeben, weil sie lieber in einem anderen Unternehmen arbeiten wollten oder mit ihrem Arbeitsumfeld unzufrieden waren.

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