Digitales Vergessen

25. Februar 2011

In der digitalen Welt können wir alle Informationen speichern und damit in Zukunft uns an alle Ereignisse und Daten erinnern. Wir selbst und z. B. Teilkommunikationsanbieter sammeln Daten.

Das Vorhaben der Vorratsdatenspeicherung (Gesetz aus dem Jahr 2007) zum Beispiel sollte die Telekommunikationsanbieter verpflichten, die Nutzungsdaten der Internetteilnehmer zu sammeln. 2010 beurteilte das Bundesverfassungsgericht dies in der vorgesehenen Art als rechtswidrig. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass diese Vorratsdatenspeicherung bald wieder auf der Tagesordnung steht.

In der digitalen Welt können wir alle Informationen speichern und damit in Zukunft uns an alle Ereignisse und Daten erinnern. Wir selbst und z. B. Telekommunikationsanbieter sammeln Daten.

Das Vorhaben der Vorratsdatenspeicherung (Gesetz aus dem Jahr 2007) zum Beispiel sollte die Telekommunikationsanbieter verpflichten, die Nutzungsdaten der Internetteilnehmer zu sammeln. 2010 beurteilte das Bundesverfassungsgericht (Link) dies in der vorgesehenen Art als rechtswidrig. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass diese Vorratsdatenspeicherung bald wieder auf der Tagesordnung steht.

Aber es geht hier gar nicht darum, welche Daten von Telekommunikationsanbietern gesammelt werden, wir selbst sammeln Daten. Wir halten unsere Erinnerungen in Texten, Bildern und Videos fest, und mittlerweile füllen diese Daten unsere Festplatten.

Zu diesem persönlichen Speichern kommt das Teilen dieser Daten und Informationen mit unserem sozialen Netz. Eine andere Person erhält Zugriff auf bestimmte Informationen und kann diese gegebenenfalls wiederum teilen, kommentieren oder modifizieren. Internetnutzer nutzen Social Media, z. B. mittels eigener Artikel, Kommentare, Gruppenmitgliedschaften etc. Diese Daten sind auch Jahre später verfügbar, sodass diese Daten gegen die jeweilige Person eventuell verwendet werden. Dieses kann man regelmäßig in verschiedenen Publikationen als ein Risiko von Social Media und der vernetzten Welt lesen.


Sammeln und Erinnern, das können wir dank der digitalen Welt sehr gut. Dem Bereich des Löschens und Vergessens wird noch wenig Beachtung geschenkt.

Mit dem Dienst drop.io (Link) konnte der Nutzer Daten sammeln und diese mit einem Löschdatum ausstatten (s. Punkt 3 in der Abbildung). Vielleicht entdecken wir diese Funktion demnächst bei Facebook wieder? Facebook übernahm das Unternehmen Ende 2010 (Link).
 


Abbildung: drop.io
 

In Deutschland wurde Anfang des Jahres der Dienst X-Pire! (http://www.x-pire.de/) gestartet. Mit diesem sogenannten „digitalen Radiergummi“ können eigene Bilder mit einem Verfallsdatum ausgestattet werden. Ein Nachteil liegt momentan noch darin, dass Kopien der Bilder, die während der Haltbarkeitsdauer angelegt werden können, nicht dem Verfallsdatum unterliegen. (s. dazu auch Was taugt der digitale Radiergummi für Bilder in Facebook, Flickr & Co.? Link)
 

Abbildung: Einstellung bei X-Pire!

Die Formel ist einfach: Wenn wir mehr speichern und sammeln, müssen wir auch mehr vergessen. Diese Dienste wie drop.io und X-Pire! zeigen erste Ansätze, das Löschen und Vergessen zu ermöglichen.


Beim Sammeln und Löschen handeln wir durch diese Programme wie ein Computer binär, d. h. entweder die Datei ist da oder sie ist gelöscht. Wenn man aber den Prozess des Erinnerns und des Vergessens anschaut, ist es vielmehr ein sukzessives Vergessen, ein Prozess des Vergessens, der nur Relevantes behält. Benötigen wir nicht vielmehr eine Technologie, die ein graduelles Vergessen, eine Art natürliche Alterung von Daten ermöglicht?
Neben der technischen Lösung benötigen wir eine Diskussion um die Notwendigkeit und den Wert des Vergessens.

Abschließend sei das Buch Delete von Viktor Mayer-Schönberger als Wochenendlektüre empfohlen. Seine Lösung liegt in der Integration eines Verfallsdatums in alle Dateien, damit die Datenflut nicht das Gedächtnis der Menschheit zerstört.

Abbildung: Delete von Mayer-Schönberger

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