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Second Screens werden zu First Screens – das Internet überholt TV

08. Januar 2013

Second Screens sind per se nichts Neues. Grob beschreibt es, dass man neben einer Beschäftigung etwas auf einem Bildschirm tut. Über einen zweiten Bildschirm ruft der Nutzer zusätzliche Informationen ab oder kommentiert das Fernsehprogramm interaktiv online.

Nun hat sich das Medienverhalten deutlich verändert. Medien werden zunehmend parallel genutzt. So ist zu beobachten, dass das Medium mit einer aktiven Komponente (lean forward) wie das Internet als primäres Medium genutzt wird und andere passive Medien wie TV (lean back) zum Begleitmedium wird.

Die Studie “Media Multi-Tasking“ der European Interactive Advertising Association (EIAA) vom September 2012 zeigt, dass ~ jeder 2. Internetnutzer in Deutschland gleichzeitig fern schaut und im Web surft.



Aktivitäten von Media Multi-Tasker über den Tagesverlauf europaweit

So steigt auch die parallele Medienutzung zur Primetime der Fernsehnutzung an.

Gründe gibt es hier viele, die zu dieser Mediennutzung führen:

  • Allways on – der Nutzer möchte immer erreichbar sein
  • Keine strikte Trennung zwischen beruflichen und privaten Aktivitäten
  • Wunsch nach Involvement in den Medien


Internetnutzer in Deutschland sind hier noch etwas zurückhaltender, so nutzen in Frankreich 71% und in Norwegen 69% der Nutzer die Medien parallel, in Deutschland nur 47% (der Durchschnitt liegt bei 53%).

Nun kann man geteilter Meinung sein, ob solche Second Screens die Möglichkeit für Beteiligung bieten oder ob der Austausch z.B. über das Fernsehprogramm über soziale Netzwerke passiert oder nicht. Ein Pro und Contra dazu findet sich bei der TAZ.

Zeebox
Es gibt sehr vielfältige Second Screen – Anwendungen. Zeebox ist ein sehr erfolgreiches Startup in diesem Bereich.

Zeebox wurde 2011 gegründet und verfügt als Second Screen Application über umfangreiche Funktionalitäten, wie
•    EPG (Electronic Program Guide)
•    Anzeige der Sendungen, die Freunde gerade schauen
•    Fernbedienung


Screenshot Zeebox

Das Besondere ist, dass Zeebox eine Intelligenz zur Erkennung der Fernsehsendungen besitzt.
So werden laufende TV-Inhalte erkannt und automatisch Links mit weitergehenden Informationen in Zeebox integriert. Diese Hintergrundinformationen erscheinen dann als sogenannte Zeetags.
Spannend ist dann auch die Verknüpfung zu E-Commerce. Zeebox erkennt neben dem Content in TV auch Werbung bzw. Werbesendungen auf dem Fernseher. Damit liefert Zeebox entsprechende Zeetags zu dem jeweiligen Werbetreibenden oder E-Commerce-Anbieter. Damit verknüpft Zeebox direkt die Fernsehwerbung mit dem direkten E-Commerce zu dem jeweiligen Produkt.

Zeebox verknüpft zum einen Social Media mit TV und kommt da dem „Multi Tasker“-Nutzer entgegen und eröffnet durch die automatische Erkennung des Fernsehinhalts eine willkommene Verknüpfung von TV-Werbung zu Online-Plattformen und damit auch zu E-Commerce.

Sky & Zeebox
Sky hat eine eigene App Sky+ zur Steuerung des Sky-Fernsehprogramms. Diese App kann auch als Fernbedienung genutzt werden (Link).

 

Sky hat sich letztes Jahr mit 10% an Zeebox beteiligt und Sky darf nun exklusiv in UK die Technologie von Zeebox einsetzen. (Link)


 
App von Sky mit Zeebox-Funktionalitäten

Sky sieht demnach in dem Second Screen – Markt einen relevanten Markt, der sich durch die verstärkte Mediennutzung und die neuen Werbe- und Verlaufsmöglichkeiten auszeichnet.


Facebook als Second Screen
Es gibt zahlreiche extra Second Screen Anwendungen / Social TV Apps wie Couchfunk, Zapitano oder Tweek statt. Diese Social TV Apps bieten dem Nutzer die Möglichkeit, parallel das Fernsehprogramm via Social Media zu kommentieren. Dabei funktionieren die Social TV Apps meist ähnlich: Die in Social Media aufkommenden Kommentare werden aggregiert und der Nutzer kann sich in die Diskussion dann einklinken.

Diese Social TV Apps führen auch zu der Quelle der Kommentierungen und Diskussionen, u.a. Facebook.
Auf Facebook rücken die Fernsehsender und – sendungen in den Fokus. Bis Sempetmber 2012 wurden von Nutzern 19 Mio. Likes für deutsche Fernsehsendungen vergeben. Dazu kommt die Social TV Monitor Studie von Goldmedia.

Bei 25 Mio. Facebook-Nutzern in Deutschland bedeutet dieses grob, dass 75% aller Nutzer von Facebook eine Fernsehsendung geliket haben. Davon ist jeder 10. Facebook-Fan schon Fan der Fernsehsendung „Berlin Tag und Nacht“ (>2.4 Mio. Fans).
Diese Fernsehsendung wurde nach „BVB“ auf häufigsten auf Facebook in 2012 erwähnt. (Link)


Facebook-Fanpage „Berlin Tag und Nacht“

Hier sieht man sehr deutlich, welches Potenzial für TV-Sender möglich ist. „Berlin – Tag & Nacht“ erreicht im TV eine Gesamtzuschauerzahl von grob ~0,9-1,2 Mio.  im Vergleich zu 2.4 Mio. Fans auf facebook.

facebook ist eine Verlängerung für TV
Natürlich eignen sich nicht alle TV-Formate für solche Reichweiten auf Facebook. Bei dieser Fernsehsendung gibt es sogar inzwischen mehr Fans auf Facebook als die Gesamtzuschauerzahl im Fernsehen.
Wenn wir von Monetarisierung von Entertainment-Formaten sprechen, dann ist hier die Monetarisierung in und via Facebook zu sehen.



Immersion als Ergebnis
Second Screen – Anwendungen sind nicht mehr „second“, sondern dominieren die Mediennutzung der „Mulit-Tasker“. Sky spricht davon, dass Second Screen – Apps eher als „first screens“ zu sehen sind.
“We at Sky do not believe in second screen apps, because all of these devices mean first screen to us.”

Es geht nicht darum, welcher Medienkanal dominiert, dieses bestimmt sowieso der Nutzer.

Das Ergebnis von Second Screens und Social TV ist eine Verschmelzung, eine Immersion.
Ziel und Ergebnis ist die Aufhebung der Unterteilung von Medien und Rezipienten. Hier liegt die Chance der TV-Sender, Social Media als format(mit)bestimmender Faktor bei Fernsehsendungen zu beachten und proaktiv zu integrieren.

Die Aufgabe besteht darin,
medienkanalübergreifende Formate zu entwickeln und dann in einer konvergenten Reichweite zu denken und zu handeln.

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