3m5. Blog

Augmented wird Mainstream

08. März 2013

Kürzlich startete Google eine eigene Website für Google Glasses und damit stieg auch das Interesse für dieses Projekt.



Google+ - Profilseite mit ~550.000 +1-Markierungen

Die Google-Brille wird als Ergänzung zu bisherigen Brillen auf den Markt kommen. Die Bedienung der Brille wird durch Sprache und Kopfsteuerungen sowie einem Touchpad funktionieren. Diese Zusatzbrille soll grob die gewohnten Funktionalitäten eines Smartphones ermöglichen. So soll neben Telefonieren und Navigieren auch Musik hören, Fotografien, Video möglich sein. Wetterdaten können eingeblendet werden und die Sichten des Brillenträgers können mit seinem sozialen Netz geteilt werden. So ist es auch möglich, nach Freunden in der Nähe zu suchen. (Link)

In Geschäften können u.a. Informationen zu den Produkten und Warenverfügbarkeit eingeblendet werden. (Link)

Google macht die Technologie der Einblendung von Zusatzinformationen mittels Brille massenmarkttauglich. Google Glasses soll 2013 auf dem Markt kommen und ein Preis von unter 1.500$ wird angestrebt. (Link)



Zur Erinnerung: Vor 4 Jahren hat Brother eine Head-Up-Brille entworfen. Dabei wurden die Informationen direkt auf die Retina des Auges mit schwachem Licht projiziert. Das Einsatzgebiet war vor allen Dingen für das Lesen von vertraulichen Informationen gedacht. (Link) Brother verkauft den sogenannten AirScouter seit einem Jahr für ~2.000€ in Japan. Als Anwendungsgebiet sieht man dabei primär industrielle Anwendungen. (Link)


Ein ähnliches Produkt brachte NEC Ende 2011 auf dem Markt. Dieser Tele Scouter von NEC hat u.a. die Funktion eines Übersetzungstools, so dass der Nutzer eine Transkription des Gesprächs in seiner Sprache sehen kann. Die Hauptidee bei diesem Retina-Display ist die Erweiterung der Fähigkeiten hinsichtlich MultiTasking. So sollen die Träger dieser Head-Up-Brille während der Arbeit mit Händen, die Möglichkeit haben, in Handbüchern und Dokumenten nachzuschauen. Der Tele Scouter kostet ~5.200$. (Link / Link)
 

NEC Tele Scouter

Wearable Computing – Augmented ist überall
Augmented Reality beschreibt eine Erweiterung der Realität. Dieses kann auf verschiedene Art und Weise geschehen, z.B. in dem Projekt für die Digitale Markenwelt von „Ijon Tichy Raumpilot“ für das ZDF, welches 3m5 umsetzen durfte.

Augmented Reality erreicht nun durch Google Glasses sämtliche Menschen. Entwickler werden aufgefordert, Applikationen für Google Glasses zu entwerfen. So gibt Google in diesem Fall, wie z.B. auch bei Android, die Plattform vor und erlaubt gleich zu Beginn jedem, Applikationen zu entwickeln.

Die Produktpolitik schafft im Gegensatz zu den Brillen von Brother und NEC nur eine grundsätzliche Plattform, die Applikationen werden erst kreiert und können dann nutzer- und anwendungsspezifisch in die Brille integriert werden.
Eine Head-Up-Brille ist ein technologischer Sprung, die Applikationen werden aber in erster Linie vorhandene Services integrieren. Die Innovation von Google Glasses liegt in der Einfachheit und in der Entwicklung zu einem Commodity-Produkt.

Augmented Reality wird Wearable Computing.
Augmented wird meist mit dem Einblenden von zusätzlichen visuellen Informationen verbunden. Bei der Erweiterung der Realität geht es aber um die Ansprache aller Sinnesorgane, somit kann gut eine zukünftige Erweiterung der Realität auch in Richtung Fühlen, Riechen und Schmecken gehen.


Screenshot Meta View

Ein Beispiel für die zukünftige Entwicklung ist die Ergänzung mit Gesten. Bei Meta-View wurde eine Brille – keine Head-Up, sondern eine komplette Display-Brille – entwickelt, die mit Gesten gesteuert wird. So kann in das normale Abbild der Realität zusätzliche Dinge eingeblendet und benutzt werden. Ein Laptop wird z.B. ad hoc mittels Gesten integriert und kann dann auch benutzt werden.

Anwendungsgebiete für Augmented & Wearable
Google Glasses ist Augmented für jedermann. Das Smartphone wird in die Brille integriert und dadurch entsteht eine Verquickung zwischen Realität und Virtualität. Nachfolgend werden einige Anwendungsgebiete kurz vorgestellt:


Informationen
Das Einblenden von Informationen hilft in fast allen denkbaren Situationen. Im privaten Bereich beim Einblenden des Kochrezepts oder der Dosierung von Arzneimitteln. Im geschäftlichen Kontext können so vertrauliche Informationen personengenau zugänglich gemacht werden oder ein Multi-Tasking von händischen Aktivitäten und zeitgleicher Aufnahme von Zusatzinformationen (z.B. Bedienung von komplexen Maschinen) wird ermöglicht.


Übersetzung
Englisch ist sicherlich die Sprache, die als weltweite Kommunikationssprache akzeptiert ist, wenngleich andere Sprachen als Muttersprache mehr verbreitet sind. Es existieren schon Applikationen, um andere Sprachen möglichst schnell zu übersetzen. Als Beispiel sei der Dienst "Hanashite Hon’yaku" von NTT DoCoMo genannt, der zwischen Japanisch, Englisch, Chinesisch und Koreanisch via Smartphone übersetzt.


"Hanashite Hon’yaku" von NTT DoCoMo (Link)

Es liegt auf der Hand, dass dieses sicherlich eine sinnvolle Anwendung für Wearable Computing, z.B. bei Head-Up-Brillen ist.

Collaboration
Ein spannendes Feld ist das gemeinsame Arbeiten. So können leicht verschiedene Personen im gleichen Raum zusammen diskutieren und gemeinsam an Dokumenten arbeiten, obwohl diese real an verschiedenen Orten sitzen. So können leichter Experten ad hoc für bestimmte Frage- und Themenstellungen zu Rate gezogen werden, ohne den Aufwand einer Reise o.ä. Neben Anwendungen im beruflichen Alltag sind hier auch Situationen im medizinischen Umfeld denkbar, z.B. kann der Experte für eine bestimmte Operationsmethode oder Krankheit ad hoc zu einer Fragestellung hinzugezogen werden. Beispiel: Projekt "MITK Pille" vom Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) aus Heidelberg.
 



Gaming
Die Gaming-Branche zeichnet sich durch immer neue Hardware und Spiele aus. Erinnert sei nur an die Vorstellung der Sony Playstation 4 im Februar und die neuen Spiele. Ziel dieser Spiele ist, die Realität möglichst genau nachzubilden und eine eigene Spielwelt zu schaffen. Auf der anderen Seite kennen wir noch aus Kinderzeiten genügend Spiele, die draußen gespielt werden. Hier kann eine Verknüpfung zwischen Realität und Spielewelt hergestellt werden. So werden wahrscheinlich zukünftig Spiele für Head-Up-Brillen entwickelt, mit der der Nutzer in seiner gewohnten Umgebung realitätsbasierte Spiele mit anderen Spielern durchführen kann. Man kann jetzt an Autorennen o.ä. denken, aber auch einfache Multiplayer-Spiele wie Schach und Billard etc. können darüber abgebildet werden. Aus Sicht des Blogautors werden genau diese einfachen Spiele ein guter Start für die Marktdurchdringung für Google Glasses im Gaming-Bereich sein.

Ausblick
Die Verschmelzung von Realität und virtueller Welt kommt schneller als manchen recht ist. Zu sehen sind aber gerade die Chancen im Bereich von kollaborativen Arbeiten und der Unterstützung einer einfacheren Kommunikation.Der Weg zu einer konvergenten Welt wird ein evolutionärer Weg, in dem wir sukzessive lernen mit der Verquickung und der Augmented Reality umzugehen. Sinnvolle Funktions-Applikationen werden ähnlich wie bei der Einführung der Smartphones den Nutzern einen Mehrwert zeigen bevor diese flächendeckend genutzt werden.

Augmented Reality und Wearable Computing werden uns dazu bringen,neu in Richtung Verknüpfung von Realität und Digitaler Welt zu denken. Der Erfolgsfaktor wird die Fähigkeit dieses neuen Denkens sein.

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