Zeitunglesen bei Facebook – wie verändern Instant Articles die Medienwelt?

09. Juni 2015

Facebook wird neben User Generated Content mehr journalistische Inhalte präsentieren. Dadurch findet der Nutzer zunehmend sämtlichen für ihn relevanten Content.

Für Werbetreibende ist die Option im Verlagskontext zu werben gewohnt und wäre eine mögliche Medienkanalerweiterung.

Wer in Print wirbt und die Einbettung in journalistische Beiträge schätzt, findet in Instant Articles eine Verlängerung ins Digitale mit treffsicherer Targetierung der Zielgruppe.

Von einem „Wandel der Geschäftsmodelle“ ist häufig in Zeitungs- und Magazinverlagen die Rede. Dabei scheint gerade die Printbranche mit dem etablierten Geschäftsmodell relativ stabil durch die Medienlandschaft zu segeln.

Dieses Modell wurde bisher nie grundlegend angepasst, sondern höchstens modifiziert oder diversifiziert. Man könnte fast meinen, dass die Verlage so einer kritischen Diskussion ihres Kerngeschäfts aus dem Weg gehen wollen. Nun veröffentlichen sie Instant Articles auf Facebook. Ist das eine Kehrtwende? Wandelt sich das Geschäftsmodell des Zeitungswesens doch?


Facebook ist der neue Verlag
Jan Bayer, Vorstand bei Axel Springer, sagte vor wenigen Wochen, dass Print nicht disruptiv sei, da die Veränderung nicht abrupt kommt, und so die Verlage den Veränderungsprozess managen können. (Link)
"Die große Disruption findet inzwischen zunehmend Online to Online statt und weniger Online to Print." Das bedeutet, dass im Digitalen die radikale Änderung von Geschäftsmodellen über Nacht möglich ist. Gerade Google kann hier mit seiner Marktdominanz entsprechend Einfluss nehmen.

Frank Schirrmacher, der letztes Jahr verstorbene ehemalige Mitherausgeber der FAZ hatte Sorge, dass Verlage übergehen werden, die Plattformen wie Google und Facebook für den Journalismus zu nutzen. Es geht dann mehr um kurzweilige und flüchtige Nachrichten, weniger um den recherchierten Journalismus mit Hintergrundinformationen und eigener Einschätzung.

Genau diesen Weg gehen jetzt die ersten Verlage … Verlage publizieren jetzt ihre Artikel zeitgleich auf Facebook.
Mit Instant Articles können Verlage Artikel oder genauer multimediale redaktionelle Berichte auf Facebook publizieren. In Deutschland sind Spiegel und Bild dabei.


Instant Articles Partner
Den Verlagen geht es nach eigenen Aussagen um das Ausprobieren und Experimentieren mit dieser Plattform. (Link)


Es ist aber vielmehr als nur das Publizieren auf einer neuen Plattform. Die Verlage nutzen Facebook als Ersatz für die eigene und notwendige Geschäftsmodelländerung.


1. Nutzerdaten
Die Verlage haben durch die Partnerschaft mit Facebook einen Zugang zu Nutzungsdaten. In den Nachrichten über Instant Articles wird allgemein berichtet, dass man primär wissen möchte, welche Artikel welche Resonanz hervorrufen und dass man sich an geltende Datenschutzbestimmungen halte.
Der Autor des Blogs hält dieses für eher „zart“ formuliert. Erstens möchten die Verlage ganz genau wissen, welcher Nutzer welchen Artikel liest und interaktiv mit diesem agiert, umso das Involvement und damit auch die Themenaffinität des einzelnen Nutzers zu kennen. Nur so kann dann treffsicher Werbung geschaltet werden.
Datenschutz ist eine Sache für sich. Inwiefern deutsche Unternehmen einen solchen Einblick in das Datenmanagement von Facebook haben, um für sich zu beurteilen, dass sie sich datenschutzkonform im Sinne des Bundesdatenschutzgesetzes verhalten, darf als Frage hier gestellt werden.

2. Werbung & Vermarktung
Verlage können die Artikel bei Facebook selbst vermarkten. Facebook sorgt mit dem Algorithmus für das Anzeigen der Artikel im jeweiligen News Feed des Nutzers. Die Verlage können dann passend zu dem Artikel Werbetreibende akquirieren. Die Erlöse bekommen dann die Verlage komplett. Wenn Facebook Werbung zu dem Artikel schaltet, bekommt der Verlag 70%.
Dieses ist das ureigenste Geschäftsmodell der Verlage und Facebook ist nur ein anderes Medium und sorgt wie im Print für entsprechende Reichweite.
 


Beispiel für Instant Articles

Der große und entscheidende Unterschied ist, dass nun Werbung und Inhalt individuell auf den Leser ausgesteuert wird.
Die Verlage gehen den Schritt in Richtung „individualisierte Zeitung“, sind aber nicht mehr der Player, sondern sind auf Facebook`s Anzeige-Algorithmus angewiesen.


3. Bezahlmodelle
Auch können Verlage bei Facebook neue Bezahlmodelle testen. Während die Erfolge mit Bezahl-Abos und Paywalls auf klassischen Verlags-Websites eher moderat sind, sind generell Bezahlmöglichkeiten auf Facebook, z.B. im Gaming-Bereich, üblich.
Die Verlage fordern dieses aktiv ein, so Christoph Keese von Springer sehr direkt „Der Leser, der ‘Bild Plus’-Artikel auf Facebook lesen möchte, wird dafür künftig in gleichem Umfang bezahlen müssen wie auf Bild.de”. (Link)
Das Bezahlmodell von Facebook soll aber nicht nur Umsätze für Verlage generieren, sondern auch Autoren bzw. Bloggern eine Einnahmequelle bieten.
Facebook integriert zunehmend Bezahlmöglichkeiten in seine Plattform.


Facebook Pay

Facebook stellte vor kurzem die Möglichkeit vor, über Facebook Messenger Peer-to-Peer zu bezahlen. Die Chat-Partner müssen ihre Kreditkarte hinterlegen und das Geld kann über die Funktion Pay innerhalb des Chats zugesandt werden.

Vor dem Hintergrund der Monetarisierung von Instant Articles ist sicherlich auch der Kauf von dem Unternehmen Tugboat Yards zu verstehen. Tugboat Yards ist oder besser war ein Dienst, der sich darauf spezialisierte verschiedene Instrumente Inhalte-Anbietern als Bezahlmodelle zur Verfügung zu stellen. Der Dienst wird offiziell in 2 Wochen eingestellt und wir werden diesen sicherlich in ähnlicher Form bei Instant Articles wiedersehen. (Link)


Tugboat Yards


Handlungsempfehlung
Facebook wird neben User Generated Content mehr journalistische Inhalte präsentieren. Dadurch findet der Nutzer zunehmend sämtlichen für ihn relevanten Content.
Für Werbetreibende ist die Option im Verlagskontext zu werben gewohnt und wäre eine mögliche Medienkanalerweiterung.

Wer in Print wirbt und die Einbettung in journalistische Beiträge schätzt,
findet in Instant Articles eine Verlängerung ins Digitale
mit treffsicherer Targetierung der Zielgruppe.

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