Verbindungen schlagen – Online & Offline

30. Dezember 2011

Vor einigen Jahren wurden die beiden Welten Offline und Online als Gegensätze skizziert und die Digitalisierung als fundamentale Revolution beschrieben, die sämtliche Offline-Medien fast obsolet macht.

Alles wird nicht so heiß gegessen wie gekocht. ...

Das Jahr neigt sich zu Ende. Dieses ist immer eine sinnvolle Stelle für einen Rück- und Ausblick. Die vergangenen Blogbeiträge haben aber schon immer einzelne Bereiche und Technologien betrachtet und einen Blick in die Zukunft skizziert.

Vor einigen Jahren wurden die beiden Welten Offline und Online als Gegensätze skizziert und die Digitalisierung als fundamentale Revolution beschrieben, die sämtliche Offline-Medien fast obsolet macht.

Alles wird nicht so heiß gegessen wie gekocht. Natürlich hat die zunehmende Digitalisierung deutliche Spuren in der Kommunikations- und Medienlandschaft hinterlassen, aber festzustellen ist, dass der Prozess bei den Werbetreibenden, Agenturen, Verlagen und Medien evolutionär vollzogen wird. So wird die Aufgabe der Transformation von Offline zu Online konsequent seitens der Medienhäuser vollzogen, z. B. bei Verlagen werden die Printangebote beibehalten bzw. vorsichtig angepasst und gleichzeitig werden digitale Angebote aufgebaut.

(Fast) versöhnlich erscheinen die beiden Plattformen Offline & Online. Beide Medienarten besitzen ganz spezifische Eigenschaften, von denen jeweils die andere profitieren kann. Im Folgenden werden einige exemplarische Beispiele für diese evolutionäre Versöhnung bzw. für das Ausschöpfen von crossmedialen Potenzialen dargestellt.


Beispiel Fernsehen & Online
Joiz.tv ist ein Fernsehsender speziell für Jugendliche in der Schweiz. Dieses TV-Programm nutzt sämtliche multimedialen Kanäle für sein Programm. So kann man zwischen Live-Stream und Video on Demand auf Joiz wählen, und das Programm mittels mehreren Streaming-Apps (z.B. Zattoo, Wilmaa, Teleboy, nello) oder via Kabelfernsehen in der Schweiz empfangen.

Abbildung: Joiz

Das Besondere an diesem TV-Sender ist, dass hier auch Inhalte wie Musik, Spiele und Lifestyle präsentiert werden und die Schnittstelle zwischen TV und Online gelebt wird. So dienen soziale Netzwerke, wie Twitter und facebook, als aktive Schnittstelle zum Zuschauer und der Zuschauer gestaltet das Programm aktiv mit.


Beispiel Online to Print to Online
Bei Enthusem beispielsweise können digitale Inhalte erstellt und hochgeladen werden und anschließend können diese Inhalte als normaler Brief versendet werden. Anhänge können ebenfalls „mitgeschickt“ werden, diese werden mittels eines QR-Codes eingebunden und der Empfänger der Papierpost kann dadurch einfach und direkt den betreffenden Anhang abrufen.


 
Abbildung: Enthusem

Ein sehr einfaches Beispiel, um eine crossmediale Verknüpfung deutlich zu machen. Die Einsatzmöglichkeiten im Direktmarketing liegen auf der Hand.


Beispiel Transmedia
Häufig werden die Begriffe Crossmedia und Transmedia synonym verwendet. Crossmedia beschreibt die inhaltliche Verzahnung von Medien, um in der Regel Werbeformate innovativer und erlebbarer zu gestalten. Mit Transmedia wird im engeren Sinn eine Geschichte über mehrere Medien hinweg erzählt. Jenkins beschreibt dieses Transmedia Storytelling als „a process where integral elements of a fiction get dispersed systematically across multiple delivery channels for the purpose of creating a unified and coordinated entertainment experience." (Link

Vom Kern her steht bei beiden Ansätzen die inhaltliche Verzahnung im Vordergrund. Bei Crossmedia geht es mehr um eine Werbebotschaft, bei Transmedia um eine komplette Geschichte (Entertainment). Durch diese Verquickung von Medien soll der Rezipient dazu angehalten werden, sich näher mit den integrierten Medien zu beschäftigen. Durch diese Interaktion steigt das Involvement unmittelbar bzw. zwangsweise durch die extrinsische Motivation der inhaltlichen Verbindung.
(Einen guten Überblick gibt folgender Beitrag)

Bei Transmedia wird der Handlungsstrang auf verschiedene Medien mit deren spezifischen Eigenschaften verteilt bzw. organisiert. Ein Beispiel ist z.B. der „Superhero Blog“, eine fiktive Geschichte von Robin W. Schrader, der Superheld werden möchte und dafür als Praktikant bei einem gealterten Superhelden in New York arbeitet. Die Erlebnisse der gesamten Geschichte kann jeder auf FacebookTwitter und Youtube verfolgen. Somit wird diese Fiction als „echte“ Geschichte in den sozialen Netzwerken aktiv miterlebt. (Link


Abbildung: Superhero Robin W. Schrader


Beispiel Click to call
Die Digitalisierung kann auch zum Teil als Konkurrenz zu etablierten Kommunikationskanälen wie das Telefon gesehen werden. Was wird mit Callcentern in der bisherigen Form geschehen?

Eine Lösung im Sinne eines nutzbringenden Miteinanders sind sogenannte Clickbanner. Über einen Banner kann der Nutzer direkt per Telefon mit dem Callcenter verbunden werden. Hier erhält der Kunde dann die entsprechende Beratung oder andere Services.
Außerhalb der Geschäftszeiten besteht die Möglichkeit über den Banner einen Anruf zu einem späteren Zeitpunkt zu vereinbaren: „Call me later“.

 
Abbildung: Clickbanner


Nach dem gleichen Prinzip können bei jeder Google Anzeige die sogenannte Click-to-Call-Telefonerweiterung integriert werden. 


 
Abbildung: Click-to-Call bei Google Adwords

Jeder Google Adword-Anzeige kann zudem eine spezielle Telefonnummer zugewiesen werden, die zum Callcenter des Werbetreibenden führt. In dem Zusammenhang ist auch die Diskussion interessant, ob und in welcher Form Amazon ein Kindle Phone auf dem Markt bringen wird (u.a. Link und Link). Amazon kann sich hierdurch neben dem Online-Kanal auch das Telefon als Kommunikations- und Bestellkanal schaffen.

Bei Click-to-Call geht es um die Schaffung eines Multichannel-Vertriebs unter Nutzung vorhandener Ressourcen, wie z.B. die Callcenter. Wiederum ein Beispiel für die konsequente Ausnutzung der Möglichkeiten des digitalen Kanals bei gleichzeitiger versöhnlicher Nutzung vorhandener Offline-Medien.
 

Ausblick
Die Online-Medien werden durch die zunehmende Verschiebung der Mediennutzung in Richtung Online und die wachsenden, neuen technologischen Möglichkeiten das Leitmedium werden bzw. die Online-Medien sind das Leitmedium.

Dieser Prozess geschieht evolutionär und vollzieht sich in manchen Branchen schneller oder langsamer. Das Entscheidende dabei ist, wie die Offline-Medien von diesem Wandel selbst profitieren können. Diese Synergien sorgen für eine zielvolle und konsequente Transformation in Richtung Digital.


PS: Die Frage sei erlaubt, ab wann Online-Medien (endlich) klassische Medien genannt werden. In vielen Bereichen ist der Online-Kanal schon der dominierende und damit der klassische Kanal.

 

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