TV total - facebook goes TV

23. Oktober 2013

Vor wenigen Tagen fand die Fernsehmesse Mipcom in Cannes statt. Es ist eine der Hauptmessen der TV-Branche. Die Art von TV muss sich ändern, darin sind sich alle einig. facebook zeigte hierbei einen möglichen Weg auf.

Die Argumentation von facebook hört sich wie eine sinnvolle konvergente Lösung für die TV-Branche und der neuen Massenmedien wie Internet an: Der Second Screen macht das Fernsehen attraktiver: „Instead of drawing people away from TV, it's pushing people toward TV“.

facebook-Nutzer kommunizieren in Echtzeit über das aktuelle Fernsehprogramm. Somit wird das Fernsehsofa auf facebook und den virtuellen Freundeskreis erweitert.

Vor wenigen Tagen fand die Fernsehmesse Mipcom inCannes statt. Es ist eine der Hauptmessen der TV-Branche. Die Art von TV muss sich ändern, darin sind sich alle einig. facebook zeigte hierbei einen möglichen Weg auf.

Geschäftsmodelle von Pay- und Free TV geraten ins Schwanken
Die Meinung über die Zukunft von TV ist sehr vielfältig und von den jeweiligen Propagandisten abhängig.

So sieht Jeff Ulin, Buchautor von „The Business of Media Distribution“ deutliche Herausforderungen für Pay- und Free TV. Die Bezahlschranken von Pay-TV werden zwar noch akzeptiert, aber z.B. die Downloadzahlen der Fernsehformate steigen kontinuierlich. Als Beispiel führte er die TV-Serie "Game of Thrones" an, die an zahlenden Zuschauern im Pay-TV verliert und gleichzeitig gehen die Downloadzahlen dieser Serie nach oben.

 
Game of Thrones

Der Internet-Nutzer verlangt sämtliche Inhalte überall und jederzeit. Dieses widerspricht dem linearen Fernsehen, hier werden Formate für spezielle Zeiten für bestimmte Zielgruppen geplant. Ulin sieht dieses als große Herausforderung: „Es werde eine große Herausforderung sein, Zuschauer, die einmal vom Prinzip des linearen Fernsehens entwöhnt sind, wieder daran zu gewöhnen.“ (Link)

Versöhnlicher mit dem klassischen TV äußert sich Dreamworks CEO Jeffrey Katzenberg. Das lineare Fernsehen wird sich behaupten. So ist in der Vergangenheit immer zu beobachten, dass neue Medien nicht alte Medien verdrängen, sondern neue Medien die Rolle von vorangegangen Medien neu definieren. Dieses besagt auch das Rieplsches Gesetz. Die Herausforderung sieht Katzenberg viel mehr in dem passenden Content, dem Premium-Content für jedes Medium und einem geeigneten Storytelling: „Geschichtenerzähler sind schwer zu finden“. (Link)

facebook kommt als Partner
Dan Rose, Vice President for Partnerships bei facebook, verkündigte sehr plakativ, dass “TV has always been a deeply social form of entertainment”. facebook will nun die Inhalte von facebook für den Second Screen kommerziell nutzen. (Link)

Dan Rose auf der Mipcom

Die Argumentation von facebook hört sich wie eine sinnvolle konvergente Lösung für die TV-Branche und der neuen Massenmedien wie Internet an: Der Second Screen macht das Fernsehen attraktiver: „Instead of drawing people away from TV, it's pushing people toward TV“. (Link) (Link)

facebook-Nutzer kommunizieren in Echtzeit über das aktuelle Fernsehprogramm. Somit wird das Fernsehsofa auf facebook und den virtuellen Freundeskreis erweitert.

Diesen Trend verdeutlichen auch folgende Zahlen. Die Motorola Mobility Studie kommt zu dem Ergebnis, dass mehr als die Hälfte der Internetnutzer bis 34 Jahre Social Media zur Kommunikation zum Fernsehprogramm nutzen.

Second Screen Nutzung

Die Nutzung von Social Media konzentriert sich auf allgemeine Informationen zu den aktuellen Programmen und dem Lesen und Schreiben von Kommentaren zu dem jeweiligen Programm. Ja, Second Screen wird genutzt und ist angekommen.

 
Inhalte von Second Screen

Nicht TV bzw. TV-nahe Dienstleister sehen die Nutzung von Second Screen in Puncto einer thematischen Medienkonvergenz nicht so dominant. So kommt eine Studie von United Internet zu folgenden Ergebnis: 84% der Nutzer gaben an, dass das, was sie neben dem Fernsehen im Internet machen, nichts mit dem TV-Programm zu tun hat. (Link)

Nun, die USA ist meistens hinsichtlich der Entwicklung der Medienkanäle Europa einige Jahre voraus und eine thematische Konvergenz ist sicherlich auch von dem jeweiligen Programm abhängig. Dass Second Screen an Bedeutung wächst, ist ohne Frage.


Pilotprojekt in den USA
In den USA hat facebook ein Projekt mit den Fernsehsendern ABC, NBC, Fox und CBS gestartet. Den Fernsehsendern werden die Kommentare aus facebook zu den jeweiligen Programmen zur Auswertung zur Verfügung gestellt. (Link)

Alleine das Alter des facebook- und Second Screen-Nutzers ist für die Fernsehsender von Mehrwert. Hier ergeben sich ganz neue Möglichkeiten für die Fernsehforschung. So können die Fernsehsender deutlich besser Fernsehformate für ihre Zielgruppe konzipieren.

Laut Handelsblatt erwähnte Dan Rose auch das ZDF und Pro Sieben Sat.1 Media AG als Kooperationspartner. Pro Sieben Sat.1 bestätigte Interesse an dem Projekt, auch das ZDF interessiert die Nutzung von öffentlich zugänglichen Kommentaren. Ein ähnliches Projekt mit Twitter laufe in dem Kontext bereits. (Link)

Second Screen in Deutschland
Öffentliche Kommentare sind für alle einsehbar und die Fernsehsender tun gut daran, diese für ihre Aktivitäten und Fernsehformate zu nutzen.

Ein Blick auf die TV-Serien im deutschen Fernsehen zeigt deutlich, dass Soap Operas die Formate sind, bei denen die Konvergenz zu Second Screens am Größten ist.


TV-Serien und facebook-Aktivitäten

Die Anzahl der Kommentare ist aus Sicht des Autors gar nicht so entscheidend. So ist es für jeden Konsumgüterhersteller Pflicht, seine Zielgruppe zu kennen. Social Media Monitoring ist das Instrument hier. TV-Sender können bzw. sollten dieses ebenso nutzen und damit ist eine qualitative Auswertung möglich. Dieses hilft bei der Konzeption des richtigen Fernsehformats für die verschiedensten Zielgruppen.

Ausblick: Impulsgeber fürs Fernsehen
Fernsehsender sind auf die Akzeptanz bei der Zielgruppe angewiesen. Ohne die Kenntnis, wie Fernsehprogramme genau bei der Zielgruppe ankommen, wird die Reichweite sinken. Das Fernsehen steht vor der Herausforderung, sich neu zu erfinden. Social Media Monitoring und Second Screen können diesen notwendigen Innovationsprozess unterstützen und beschleunigen.

So können folgende Bereiche durch Second Screens unterstützt werden:

Strategisch

 

  • Neuausrichtung des TV-Geschäftsmodells
  • Partnerschaften mit Social Media Plattformen
  • Diversifikation in andere Medienkanäle


Operativ

 

  • Issue Management im Sinne eines Frühwarnsystems
  • Feedback zu Fernsehformaten
  • Impulse zur Entwicklung bzw. Weiterentwicklung neuer Formate


TV-Sender sind zurzeit die Medien schlechtweg für große Reichweiten. Quantität ist dabei der Erfolgsfaktor. Durch die Integration von Second Screen gewinnen TV-Sender Kenntnis über ihre Zielgruppe, über ihre Reichweite. Hier bekommen Fernsehsender einen qualitativen Einblick in die Fernsehnutzer.

Das TV steht vor der Entscheidung sich von einem reichweitenstarken Medium zu einem Medium mit Detailkenntnisse über die Zielgruppe zu entwickeln.


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