TV auf dem Weg zur Individual Alternate Reality Experience

16. August 2014

Alles bleibt, bleibt anders. Es ist Bewegung in einer zunehmenden Medienkonvergenz zu beobachten, was über eine einfache Verknüpfung von Medien hinausgeht.

Dieser ist vor allen Dingen ein Appell an die Kreation von Formaten unabhängig vom Medienkanal zu konzipieren, sondern mehr die Interaktion mit den Nutzern in den Fokus zu rücken.

Es geht auch genauer: Seit kurzem ist auch eine Segmentierung im TV möglich. Über Hbb-TV kann nun auf die Bevölkerung von Städten zugeschnittene Werbung ausgestrahlt bzw. abgerufen werden.

Somit ist nun eine geografische Zielgruppensegmentierung im TV möglich. Wenn man sich jetzt noch die Möglichkeiten mit Second Screen - Anwendungen oder anderen Online-Kanälen vorstellt, dann entsteht daraus ein Individual Alternate Reality Experience.

Ab 2016 wird es endlich wieder Tatort-Folgen aus Dresden geben. (Link) Wir freuen uns schon jetzt darauf.

Tatort+ ist Alternate Reality Experience
Der Tatort hat sich nicht nur in den letzten Jahren zu dem Sonntagsabendformat schlechthin im deutschen Fernsehen entwickelt, sondern zeigt sich modern und mutig im Austesten von neuen crossmedialen Formaten. 2012 schon konnte man beim Tatort online crossmedial etwas ermitteln. Es war aber eher ein Beiwerk des TV-Films.
 


Screenshot aus dem Tatort+ 2012 (Quelle)

2013, ein Jahr später, startete ein neuer Anlauf zum Tatort+. Bei dem Tatort aus Stuttgart im Mai letzten Jahres konnte man im Vorfeld richtig mit einer Extra-Geschichte und vielen Instrumenten ermitteln. (Link)
 


Tatort+ 2013, Pressebild

Sicht des Autors waren die Zeugenverhöre durch Google Hangout – Sessions ein wahres Highlight der gesamten Ermittlungen. Neudeutsch wird hier auch gerne von Alternate Reality Experience gesprochen.

Den Tatort-Produzenten war es gelungen, eine inhaltliche Verzahnung zu kreieren und dadurch den reinen TV-Konsum um eine Prosumer-Haltung und ein Mitmachen zu ergänzen. Laut Aussage der Tatort+-Website haben 60.000 Zuschauer sich aktiv an den Ermittlungen beteiligt.

Es war der bis dahin erfolgreichste Tatort aus Stuttgart, 10,23 Mio. Zuschauer haben diesen Tatort gesehen. (Link) Demzufolge haben wir hier eine Medienkonvergenz zwischen TV und Online von 0,6% (60 / 10230 * 100).

Zum Vergleich hatte der Tatort+ „Der Wald steht schwarz und schweiget“ 2012 8,23 Mio. Zuschauer und nach den Angaben der Tatort-Redaktion 100.000 Mitspieler, dieses ergibt eine Medienkonvergenz von 1,2%.

Momentan pausiert der Tatort+, Zuschauer können nur in der ARD Mediathek parallel zum Live-Stream diskutieren.


Second Screen beim ZDF
Die Verquickung zwischen TV und Online ist überall zu beobachten. Im ZDF kann der Fernzuschauer jeweils live zum Krimi mit anderen Nutzern am Fall ermitteln. „Die letzte Spur“ findet als klassischer Second Screen statt. Zu der Konvergenz und Second Screens hatten wir schon ab und zu in unserem Blog berichtet.

 
Screenshot Second Screen „Die letzte Spur“

Die Sendung läuft regelmäßig und ~4-5 Mio. Zuschauer schauen hier zu. (Link) Zahlen über die Nutzung der Second Screen Anwendung gibt es leider keine. Der zuständige Redakteur erklärte zu den alten Folgen, dass man mit der Nutzung des Second Screen - Angebots zufrieden ist. (Link)

Dynamischer Second Screen -the next step
Bisher sind Second Screen – Anwendungen allesamt als Ergänzung zum TV-Programm geplant. Der nächste Schritt ist eine automatische Verknüpfung zwischen TV-Content und Online-Content.
Das Projekt LinkedTV nutzt den TV-Inhalt, um dynamisch relevante Online-Websites zum laufenden TV-Programm anzubieten. Diese Zusatzinformationen passen sich dem TV-Programm automatisch an. Der TV-Zuschauer bzw. besser der Nutzer hat auch die Möglichkeit, Filter für seine Präferenzen zu definieren.
Als ein Szenario wird die tägliche Nachrichtensendung aufgezeigt, in der dann die Nachrichtenvermittlung crossmedial und inhaltlich verzahnt wird.

 
Szenarien LinkedTV

Beteiligt hier ist auch das Fraunhofer Institut IAIS aus Sankt Augustin. Die zugrundeliegende Technologie wird wie folgt beschrieben: „Das Programm scannt den Inhalt einer Sendung vor deren Ausstrahlung mittels Sprachanalyse und Bildverarbeitung nach themenverwandten Inhalten aus dem Web.

Aktuell wurden schon zwei reale Formate umgesetzt, darunter eine Nachrichtensendung des Rundfunk Berlin-Brandenburgs. Ein Youtube-Video illustriert die prototypische Umsetzung:
 

LinkedTV demo video of Linked News

LinkedTV-Demo RBB


Online first
Meistens werden Innovationen und Trends im Medienbereich zuerst in den USA pilotiert. Wenn wir hier über Medienkonvergenz sprechen, gibt es aus den USA schon Beispiele, in denen bei TV-Serien der Online-Kanal dominiert (Link):


1. Die Sendung „Artistically Challenged” ist eine TV-serie, die nur online für Instagram produziert wird.
 


Website Artistically Challenged


2. Der TV-Sender AMC hat vor wenigen Wochen die neue Staffel zu „Halt and Catch Fire“ zuerst auf tumblr präsentiert. tumblr nutzt AMC generell parallel zu sämtlichen TV-Formaten. (Link) tumblr ist ein soziales Netz, welches deutlich an Bedeutung wächst. (Link)


AMC auf tumblr


Der nächste Schritt zur Verschmelzung beim TV-Sender AMC wird schon angekündigt. Der Zuschauer wird zur Laufzeit mit der TV-Serie inteagieren können. AMC bezeichnet diese direkte Interaktion und Einflussnahme auf das TV-Programm als Storysync.
 


Storysync von AMC

Wir dürfen gespannt sein, wie sich TV-Formate inhaltlich und medienübergreifend entwickeln werden.


Das Resümee
Alles bleibt, bleibt anders. Es ist Bewegung in einer zunehmenden Medienkonvergenz zu beobachten, was über eine einfache Verknüpfung von Medien hinausgeht.

Dieser ist vor allen Dingen ein Appell an die Kreation von Formaten unabhängig vom Medienkanal zu konzipieren, sondern mehr die Interaktion mit den Nutzern in den Fokus zu rücken.

Es geht auch genauer: Seit kurzem ist auch eine Segmentierung im TV möglich. Über Hbb-TV kann nun auf die Bevölkerung von Städten zugeschnittene Werbung ausgestrahlt bzw. abgerufen werden.

Somit ist nun eine geografische Zielgruppensegmentierung im TV möglich. Wenn man sich jetzt noch die Möglichkeiten mit Second Screen - Anwendungen oder anderen Online-Kanälen vorstellt, dann entsteht daraus ein

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