Online Handel – endlich jemand der dem Kunden zuhört

18. April 2013

Der E-Commerce-Markt für Lebensmittel ist kein Quick-Win und Deutschland ist hier nicht der Markt für rasche Marktexpansionen.

Daneben entstehen einige Startups. Diese Startups bieten nicht primär das gleiche Geschäftsmodell des Lebensmittelhandels online an, sondern versuchen Kundenbedürfnisse auf eine neue (und intelligente) Art zu befriedigen. Diese entwickeln dabei den Lebensmittelmarkt weiter. Danke dafür und viel Erfolg!

In den letzten Wochen konnten wir einige Entwicklungen im E-Commerce-Markt feststellen. Zum einen beleuchten wir hier den Online-Lebensmittelmarkt und werfen anschließend einen Blick auf die E-Commerce-Anstrengungen von Otto und Gruner + Jahr.
 
I. Lebensmittel via Online – Chance für Nischenanbieter?
Wenn es um Lebensmittel und E-Commerce geht, gibt es mittlerweile einige Konzepte und Anbieter, die hier erfolgreich agieren.
Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. So schloss Froodies 2012 sein Portal. Ein Grund wird hier in der fehlenden Marktbearbeitung von Ballungsräumen gesehen.

Der E-Commerce-Markt für Lebensmittel ist kein Quick-Win und Deutschland ist hier nicht der Markt für rasche Marktexpansionen. So versuchen verschiedene Startups mit generalistischen Konzepten wie lebensmittel.de oder auch food.de Online-Handel von Lebensmittel voranzutreiben. Link
 

Screenshot von www.food.de


Daneben entstehen einige Nischen-Startups, z.B. Foodiesquare aus München (www.tastybox.de) versendet seit einigen Monaten Lebensmittelspezialitäten aus exklusiven Manufakturen an Konsumenten.

Screenshot www.tastybox.de

Oder auch Impuls-Food aus Hamburg, welches Lebensmittel individuell nach einem Ernährungsplan zusammenstellt und dann mit den passenden Rezepten ausliefert. Link

Screenshot von http://www.impuls-food.de/impuls-box/

Diese Startups bieten nicht primär das gleiche Geschäftsmodell des Lebensmittelhandels online an, sondern versuchen Kundenbedürfnisse auf eine neue (und intelligente) Art zu befriedigen. Mit der Tastybox zum Beispiel erhält der Konsument einen Einblick in kulinarische Genüsse. Etwas erinnert das Modell an Curated Shopping.
Bei Impuls-Food steht nicht das Lebensmittel im Vordergrund, sondern der Nutzen. Wir essen nicht, um satt zu werden, sondern um gesund zu leben. Genau hier setzt Impuls-Food an und bietet die individuelle Ernährung für den Konsumenten an.

Beide Startups bedienen eine Nische, aber entwickeln dabei
den Lebensmittelmarkt weiter.
Danke dafür und viel Erfolg!

Migros – der Primus im Bereich Lebensmittelhandel und E-Commerce
Wenn man an E-Commerce und seine Vorreiter denkt, kommt man schnell zu Migros. 2010 hat Migros seine Crowdsourcing-Plattform Migipedia aufgebaut und hat den Trend Crowdsourcing vor 3 Jahren schon für die Lebensmittelbranche in der Schweiz umgesetzt.

Einen Überblick hierzu gibt der Vortrag von Migros auf dem Social Media World Forum in London diesen Jahres.

Der Online-Shop von Migros ist LeShop, der größte Online-Supermarkt in der Schweiz. In den letzten 3 Jahren stagnierte der Umsatz. 2013 steigt der Umsatz im 1. Quartal. So konnte konkret LeShop 7,3% mehr Umsatz im Vorquartalsvergleich erzielen. Für das Gesamtjahr rechnet Migros mit 3% Zuwachs. Link1Link2


Quelle: LeShop.ch

Stark zugenommen haben bei LeShop die Bestellungen via Mobiltelefone und Tablets. 27% der Kunden bestellen mittlerweile mobile, im Vorjahr waren es nur 12%.
LeShop gibt 55.000 regelmäßige Kunden an, dieses ist ein Anstieg von 12% gegenüber dem Vorjahr. Der durchschnittliche Einkaufswert ist dagegen leicht (~1%) gesunken. Link1Link2

Spannend sind bei LeShop auch die Logistik-Konzepte. So gibt es ein Pilotprojekt des Abholcenters Drive. Der Kunde kauft online ein und die Waren sind 2 Stunden später abholbereit. Dabei ist der Name Drive Programm, das Team von LeShop lädt das Auto ein, so dass der Kunde sogar im Auto sitzen bleiben kann und keine Wartezeit besteht. Link

Des Weiteren besteht die Möglichkeit, dass die Schweizer Post die Bestellungen noch am selben Abend als Abendzustellung ausliefert. Die zusätzlichen Zustellzeiten bieten für die Schweizer Post Vorteile. So differenziert sie sich dadurch von dem Wettbewerb, DHL oder DPD bieten und planen keine Abendzustellung. Link

Diese Logistikkonzepte tragen sicherlich auch dazu bei, dass LeShop in den letzten Monaten an Kunden und an Bestellungen über Handy bzw. Tablet gewachsen ist. Link

Lebensmittel E-Commerce – ein langsames Wachstum
Der Online-Handel mit Lebensmitteln wird wachsen. In den USA sieht emarketer nur ein moderates Wachstum auf 2,4% Anteil am Online-Handelsumsatz in diesem Bereich.

 
Grafik aus Statista.de auf Basis von emarketer

Vor dem Hintergrund eines moderaten Wachstums (u.a. Prognose in den USA oder auch bei LeShop) erscheint die Strategie von einigen Startups, hier Nischen zu bedienen sehr sinnvoll. Nicht nur der alltägliche Einkauf wird ins Netz verlagert, neue Produkte und Services werden die Treiber für eine Migration des Einkaufens Richtung Netz sein.
Die Startups hören auf die Kunden und entwickeln entsprechend ihr Angebot. Wichtig ist, nicht nur auf den Kunden zu hören, sondern eigene Innovationen dabei mit zu integrieren. Nur durch den Mix aus Kundenverständnis und Innovationen kann Marktbearbeitung und Nachhaltigkeit erzeugt werden. [Hierzu sei das Buch „The Innovators Dilemma: Warum etablierte Unternehmen den Wettbewerb um bahnbrechende Innovationen verlieren“ empfohlen.]


II. Hamburg kauft ein – Otto und Gruner und Jahr lieben E-Commerce
Neben dem eher traditionellen Markt der Lebensmittel gibt es einige Entwicklungen im Bereich von vorwiegend transaktionsorientierten Geschäftsmodellen, die für Medien- und Versandhäuser interessant sind.

Gruner + Jahr – endlich wieder mehr digital
Erst vor wenigen Wochen beteiligte sich Gruner + Jahr an dem Onlinehändler Tausendkind.
Hierbei sieht vor allen Dingen Gruner + Jahr die Digitalisierung des Kerngeschäfts und den Fit zur eigenen Leser/Zielgruppe. G+J setzt hier verstärkt auf E-Commerce statt eine Ergänzung via digitalen Content. Der Einstieg in transaktionsorientierte Geschäftsmodelle ist eindeutig ein Quick Win. Link


Screenshot www.tausendkind.de

Strategisch sollten aus Sicht des Autors

Medienunternehmen stärker diversifiziert denken.
E-Commerce-Plattformen zu betreiben, ist keine Innovation.
Kundenwünsche zu wissen und weiterzudenken,
sind langfristig und nachhaltig gute Geschäftsoptionen
.

Hier darf G+J ruhig mutiger und zukunftsgewandter agieren.


Otto – weiß was Kunden wünschen
Zum Schluss noch ein Ausblick auf den zweitgrößten Onlinehändler in Deutschland, den Otto-Versand.  [Platz 1 ist Amazon.]
Otto geht auf Expansionskurs. Der Kunde steht hier als Impulsgeber. So sagt Rainer Hillebrand, Vize-Konzernchef und verantwortlich für E-Commerce: "Frauen bestellen anders und kaufen anders ein. Dafür entwickeln wir ein Geschäftsmodell". So wird unter dem Namen „Collins“ eine Online-Handelsplattform entwickelt, die Mode und Wohnaccessoires an junge Frauen verkaufen soll. Das besagte Geschäftsmodell soll dabei schwer kopierbar sein. Link

Hillebrand verknüpft E-Commerce mit den Schlagworten Lead, Speed und Data. Damit meint er ein konsequentes Umsetzen eines Beziehungsmarketing in Form von mehr Daten über die Kunden zum Zwecke einer verstärkten Personalisierung und Individualisierung. Link

Sichtbar wird dieses auch in dem Relaunch der Otto-Plattform. So wirkt das neue Portal moderner. Die Texte sind reduzierter und die Produkte werden großflächiger durch Bilder präsentiert. Link

Linke Seite: bisherige Otto-Website / Rechte Seite: Alpha-Version der neuen Website


Screenshot via http://www.drivenbydata.org/2013/03/alpha-otto-neuer-shop.html
Es wirkt teilweise wie die Suche und Darstellung von Produkten auf Pinterest.

Nach eigenen Angaben beträgt der Online-Anteil am Umsatz 80%, das sind 1,7 Mrd. €.  Die Umsatzrendite wird mit 4-5% angedeutet.

300 Millionen Euro will Otto in den nächsten 3 Jahren in den Digitalen Handel, d.h. 100 Mio. pro Jahr, investieren. Dieses sind grob 5,8% des Online-Umsatzes oder 4,7% des Gesamtumsatzes. Vor dem Hintergrund der Umsatzrendite ist dieses ein mutiger Schritt von Investitionen in die Zukunft und in E-Commerce.

Otto verkündet diese E-Commerce-Offensive und will stärker auf die Zielgruppe der jungen Frauen eingehen und dabei mehr das Beziehungsmarketing in den Vordergrund rücken. Auf Kundenwünsche zu hören ist die Pflicht, die Innovationen innerhalb des E-Commerce und des Geschäftsmodells sind die Kür.
Wir sind gespannt, mit welchen Innovationen Otto Versand in Bälde aufwarten wird.


 

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