Kern der Vernetzung oder „the winner takes it all“

20. Juli 2013

Google vs. Altavista

Die Frage ist, warum war Google besser. Zum Startzeitpunkt hatten beide Algorithmen, wobei Altavista sich primär auf die Auswertung von Meta-Tags von Websites fokussierte. Das Hauptproblem von Suchen im Netz besteht in dem Finden von wichtigen, relevanten Inhalten.

2 Strategien – 1 Sieger

Es ist eine Binsenweisheit: Nur wer die Spielregeln kennt, wird ein Spiel gewinnen. Transferiert auf digitale Geschäftsmodelle, bedeutet dieses eine intensive Beschäftigung mit dem Kern der Vernetzung und der Wachstumstreiber der Digitalen Welt. Nur wer die Gründe für Entstehung und Wachstum des Internets reflektiert, wird ein nachhaltiges und damit erfolgreiches Geschäftsmodell an den Start bringen können.

Google vs. Altavista
Einige der Leser kennen noch die Suchmaschine Altavista. Diese war 1996 bis Anfang 2001 die bekannteste Suchmaschine im Internet.


Screenshot Altavista 1999 (Link)

Google startete damals zeitgleich mit einer ersten Version der späteren Google-Suchmaschine BackRub, September 1998 ging dann die heutige Google-Suche online. Anhand der folgenden Grafik sieht man die Aufholjagd von Google und das sukzessive Verschwinden von Altavista.


 Google vs. Altavista (Link)


Vor wenigen Tagen am 8.7.2013 wurde nun Altavista offiziell eingestellt. Als kleine Erinnerung hier eine der letzten Suchen:

 
Screenshot: Suche nach 3m5 bei Altavista

Die Frage ist, warum war Google besser. Zum Startzeitpunkt hatten beide Algorithmen, wobei Altavista sich primär auf die Auswertung von Meta-Tags von Websites fokussierte. Das Hauptproblem von Suchen im Netz besteht in dem Finden von wichtigen, relevanten Inhalten.


2 Strategien – 1 Sieger
Altavista
Altavista, auch damals Super-Spider genannt, ging den Weg in Richtung Portale und baute neben der reinen Suchmaschine eine Portalstruktur. Dieses setzte zu der damaligen Zeit Compaq um. Als Portale nicht mehr so gut liefen, verkaufte man Altavista an Yahoo. Die Lösung mit Portalen war ein möglicher richtiger Weg. Viele Bereiche können sehr stark hierarchisch gegliedert werden und der Nutzer kann dann einfach navigieren. Als Beispiele seien Gesetze, Telefonbücher, Warenangebot von Einzelhändler etc. genannt.

Google
Das Team der Konzeption des Pageranks [Lawrence Page, Sergey Brin, Rajeev Motwani, Terry Winograd] ging einen anderen Weg. Die Wichtigkeit einer Information basiert nicht auf der Einschätzung und Kategorisierung einer zentralen Institution, sondern durch die Personen, die diese Informationen nutzen.
1998 veröffentlichte Page et al. ein Paper zu „The PageRank Citation Ranking: Bringing Order to the Web.
Die Autoren zogen hier eine Analogie zwischen dem Zitieren von wissenschaftlichen Arbeiten und dem Verlinken im Netz. Page nutze genau diesen Mechanismus: „… concept of ranking in academic publishing, and he theorized that the structure of the Web's graph would reveal not just who was linking to whom, but more critically, the importance of who linked to whom, based on various attributes of the site that was doing the linking”. (Link)


Erfolgsfaktor: Verstehen des Netzes
Um es auf den Punkt zu bringen. Google hat sich mit der Art der Beurteilung von Informationen beschäftigt. Bei Publikationen jeglicher Art, z.B. Bücher oder Musik, entscheidet nicht ein Redakteur oder der Anbieter, sondern die Nutzer dieser Informationen. Der Grundgedanke des Internets ist das Navigieren via Hypertext. Aufgrund dieses Grundgedankens scheiden streng hierarchische Navigationsmodelle aus. Hypertext basiert auf Informationsknoten, die somit Graphen darstellen. Wenn die reine Verbindung nicht genügend ist, können solche Graphen um Wertigkeiten angereichert werden (s. Graphentheorie).
Page bzw. Google haben konsequent den Grundgedanken des Netzes reflektiert und entsprechend die Technik des Hypertextes für die Strukturierung von Informationen genutzt.


Nächstes Beispiel: Facebook vs. MySpace vs. Friendster
Wer erinnert sich noch an Friendster, das soziale Netz, welches die größte Community bis 2004 war.


Screenshot Friendster

2004 überholte Myspace Friendster und stellte die größte Community dar. Es war genau das Jahr, in dem Facebook gegründet wurde. Die Abbildung von Alexa zeigt deutlich, wie dann etwas später Facebook sukzessive an Reichweite gewann. Das Wachstum lag zu einem geringen Teil an dem Wechsel der Nutzer von anderen Plattformen zu Facebook, aber Facebook konnte gerade auch neue Nutzer von der Plattform überzeugen.
 
Reichweite friendster – myspace – facebook 2009-2011 (Link)

Die Entwicklung kennt jeder. Facebook überholte schnell die vorhandenen Plattformen und ist nun mit ~ 1,1 Mrd. Nutzer Quasi-Monopolist bei Internet-Communities.


Erfolgsfaktor: Speed & Offenheit
Die Grundfunktionalitäten von Facebook sind fast die Gleichen wie bei Myspace etc. Zuckerberg betont in Vorträgen das „Machen“. Es gibt im Internet zuerst Speed Leader. Die Exaktheit von Diensten geht zu Lasten der Geschwindigkeit. Zuckerberg propagiert Geschwindigkeit und Risiko und nicht die Exaktheit und die Detailplanung von Diensten bzw. innerhalb von Startups.
Wachstum kommt von innen heraus. Facebook kann nicht in der geforderten Geschwindigkeit neue Dienste selbst entwickeln, Facebook nutzt die Offenheit der Plattform durch API-Schnittstellen und durch den Kauf von anderen Plattformen oder Diensten wie Instagram.

 
Mobile Nutzung Facebook / Instagram (Link)

Seit einem Jahr ist Instagram populärer als Twitter.

 
Tägliche Nutzung Twitter / Instagram (Link)

Geschwindigkeit ist der Erfolgsfaktor bei Facebook schlechthin. Neue Dienste, ob selbst entwickelt oder eingekauft, sind die Innovationen, sind der Treibstoff für diese Geschwindigkeitsmaschine. Das Internet zeichnet sich durch Dynamik aus. Erfolgreiche Unternehmen in diesem Marktumfeld müssen ein Synonym für diese Geschwindigkeit sein.


Fazit
Es ist eine Binsenweisheit: Nur wer die Spielregeln kennt, wird ein Spiel gewinnen. Transferiert auf digitale Geschäftsmodelle, bedeutet dieses eine intensive Beschäftigung mit dem Kern der Vernetzung und der Wachstumstreiber der Digitalen Welt. Nur wer die Gründe für Entstehung und Wachstum des Internets reflektiert, wird ein nachhaltiges und damit erfolgreiches Geschäftsmodell an den Start bringen können.
 

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