Freemium - If You Love Somebody Set Them Free

25. April 2012

Diese Wortkombination aus Free für kostenfreie Produkte oder Dienste sowie Premium für kostenpflichtige Services ist ein wesentliches Geschäftsmodell im Zeitalter des Web 2.0. ...

Freemium
Diese Wortkombination aus Free für kostenfreie Produkte oder Dienste sowie Premium für kostenpflichtige Services ist ein wesentliches Geschäftsmodell im Zeitalter des Web 2.0. (Link)

Fred Wilsen, ein VC Investor, erfand diesen Begriff 2006. Seine Blogleser stimmten damals über den Namen ab:
“Give your service away for free, possibly ad supported but maybe not, acquire a lot of customers very efficiently through word of mouth, referral networks, organic search marketing, etc, then offer premium priced value added services or an enhanced version of your service to your customer base.“ (Link)

Viele Angebote basieren auf diesem Modell, wie z.B. Skype, XING, Pandora, Antivirensoftware, etc.
 

Kostenfreies Internetradio www.pandora.com

Bei Pandora beinhaltet die Free-Variante 40 Stunden kostenfreies Internetradio pro Monat, einige Werbeeinblendungen und eine normale Audioqualität. Die kostenpflichtige Variante hat neben einer besseren Audioqualität, einer fast unbegrenzten Hördauer die Nutzung einer Desktop-Variante.
[Übrigens von IP-Adressen von Deutschland ist Pandora nicht erreichbar. Mit Hotspot Shield wird die Internet-Verbindung über einen US-Proxy geleitet, so dass die sichtbare IP-Adresse eine aus den USA ist.
Auch hier wiederum gibt es ein Freemium-Modell. Die Premium-Version von Hotshield ermöglicht u.a. eine schnellere Verbindung über den Proxy.]
 

Fremium-Modell bei Hotspot Shield


If You Love Somebody Set Them Free
Sting hat 1985 beschrieben, wenn man jemanden liebt, dann lässt man ihn „frei“. Können wir hier eine Brücke zu Digitalen Geschäftsmodellen und Contentvermarktung schlagen?

Sting - If You Love Somebody Set Them Free

Video von Sting auf Youtube via Hotspot Shield oder als Hörprobe bei Amazon

Die Aussage von Sting kann man schon in Verbindung mit neuen Geschäftsmodellen bringen. Produkte, die man liebt, sollten „frei“ sein. Frei ist in unserem Zusammenhang die Verfügbarkeit für die Allgemeinheit.

Zuerst Reichweite, dann Gewinn
Nicht der Erlös vom ersten Tag eines Produktlaunch an ist wichtig, sondern die Zugänglichkeit zu dem Produkt. Durch diesen „günstigen“ Preis von 0€ können Produkte oder Services schnell eine Reichweite und damit eine Marktdurchdringung erreichen.
Es ist gewissermaßen ein Paradigmenwandel und eine Risikoverschiebung. Früher legte man einen Preis fest und hatte das Risiko, ob dieser Preis mit der korrespondierenden Absatzmenge in der Nähe des Gewinnoptimums liegt.
Heute liegt das Risiko in der schnellen Marktdurchdringung und der anschließenden (auch noch ungewissen) Monetarisierung.

Solche Freemium-Modelle ebnen den Weg für Unternehmen, in der Digitalen Welt zum Speed Leader oder Fast Follower zu werden.

Free: The Future of a Radical Price
Chris Anderson beschrieb vor 3 Jahren die verschiedenen Möglichkeiten solcher Geschäftsmodelle. Sein Buch war als Free-Version für die ersten 5 Wochen als Download erhältlich, das Hörbuch ist immer noch als Free-Version erhältlich.
Die Bedeutung von „Free“ begründet Anderson u.a. mit den fallenden Grenzkosten bei dem voranschreitenden Technologiefortschritt und dem psychologischen Effekt, dass „when prices hit zero extraordinary things happen“. Bei einem Preis von 0 ändern sich die Nutzerpräferenzen und die Kostenfreiheit dominiert das Verhalten in Bezug auf das Produkt oder Dienstleistung. Der Nutzer muss sich auch nicht ein konkretes Urteil über den Nutzen des Produkts bilden, wenn dieses frei ist.
Anderson propagiert den kommerziellen Anspruch des „Free“-Modells, in dem Märkte durch die kostenfreie digitale Infrastruktur und der Vorliebe des Konsumenten für kostenfreie Produkte geschaffen und durchdrungen werden.
Zu dem Ansatz von Anderson gab es prominente Kritik damals von Malcolm Gladwell.

Zusammenfassend kann man feststellen, dass das Free-Modell und auch das pure Premium-Modell friedlich neben einander existieren können. Bei der Times können die Artikel kostenfrei, beim Wallstreet Journal nur gegen eine Gebühr gelesen werden. Private TV-Sender strahlen ohne direkte monetäre Gegenleistung Programme aus, Kabel-Gesellschaften erheben monatliche Gebühren.

Ausblick – eine Klage und Virtual bundling
Wie in so vielen Bereichen gibt es auch hier eine Patentklage. In den USA versucht ein Unternehmen, Spielehersteller mit Freemium-Funktion auf Schadensersatz aufgrund eines Patents zu verklagen. Das Patent beinhaltet die Funktion, dass bei kostenfreien Spielen die Spieler zusätzliche Funktionen kaufen können. (Link)

Der Ausblick beinhaltet eine Erweiterung des Freemium-Modells. Virtual bundling kann als die Fortführung des Freemium-Modells gesehen werden. Kachingle Premium ist ein neues Startup, welches verschiedene Freemimum-Programme flexibel bündelt und dann zu einem Abopreis vertreibt. Der Nutzer wird Mitglied bei Kachingle und kann dann die Vollversionen aller Freemium-Apps für 5$ im Monat nutzen. (Link)
 


Kachingle Premium

Die Bundling-Strategie vereint den Freemium-Ansatz mit der fallenden Preissensibilität der Kunden, wenn man mehr bekommt als die Summe der Einzelprodukte.

Ein Vergleich liegt nahe. Die Marktschreier vom Hamburger Fischmarkt praktizieren dieses Modell in ähnlicher Weise. Zu bestimmten Lebensmittel werden kostenfreie Zugaben gegeben. Zum Schluss besteht das Bundle aus präferierten und auch nicht gewünschten Produkten. Der Kunde kauft dann das gesamte Bundle zu einem empfundenen „guten Preis“.

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