Einer für alle, alle für einen – Co-Creation und Crowdsourcing als Musketiere für Ideen

29. Februar 2012

Crowdsourcing und Co-Creation ist somit die Zusammenarbeit von Personen zur Integration in bestimmte betriebliche Wertschöpfungsstufen. Als möglichen Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen wird die Gruppe, die angesprochen wird, gesehen.

Eintauchen in die Begriffswelt
Co-Creation und Crowdsourcing bezeichnet die Einbindung von Kunden in den Wertschöpfungsprozess von Unternehmen. Dabei nehmen die Kunden eine Rolle z.B. im Innovationsmanagement, im Rahmen der Produktion, der Werbung oder beim Verkauf ein. Beide Begriffe werden häufig synonym verwendet und beschreiben den Ansatz „the wisdom of friends“ oder die Kraft der „Crowd“ für eigene Zwecke zu nutzen.

Unternehmen unterliegen einem zunehmenden Innovationsdruck/zwang und müssen marktadäquate Produkte „neuerfinden“. Auf der anderen Seite werden Kunden zunehmend aktiver, übernehmen einen proaktiven Part, z.B. in Form der selbständigen Weiterempfehlung von Produkten.
Kunden können auch Produkte und Dienstleistungen im Rahmen von Forschung und Entwicklung innerhalb von Unternehmen selbst kreieren oder daran mitwirken.

Einen guten Überblick hierzu gibt auch die spezielle Session auf der letztjährigen dmexco in Köln.
 

CROWDSOURCING, CO-CREATION AND COLLABORATION REVEALING THE ENERGY OF CREATIVE IDEAS

 
Crowdsourcing und Co-Creation ist somit die Zusammenarbeit von Personen zur Integration in bestimmte betriebliche Wertschöpfungsstufen. Als möglichen Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen wird die Gruppe, die angesprochen wird, gesehen. Co-Creation zielt auf eine bestimmte Gruppe von Personen, während Crowdsourcing meist über eine offene Plattform jeden Interessierten anspricht. (Link)

Einen weiteren Unterschied sieht Scott Teng von eYeka: „Crowdsourcing focuses on quantity and results in incremental changes, co-creation focuses on quality and produces innovative solutions.”

Beispiele / Case Studies
Ein sehr bekanntes Beispiel ist das Goldminien-Unternehmen Goldcorp. Im Jahr 2000 veröffentlichte Goldcorp die eigenen geologischen Daten von 20.200 ha und schrieb einen Wettbewerb von $ 500.000 aus. Ziel des Wettbewerbs war, auf Basis der Geodaten neue mögliche Goldminen zu finden. 1.400 interessierte Geologen aus 50 Ländern beteiligten sich an dem Wettbewerb. 110 neue Goldminen wurden vorgeschlagen. 50% aller Vorschläge beinhalteten Minen, die vorher unbekannt waren. 80% aller Einreichungen waren Orte mit einem Goldvorkommen. 8 Mio. Unzen Gold konnten so gefördert wurden, dieses entspricht 248.800 Kg Gold. (Link)

Dieses Beispiel ist sicherlich ein Paradebeispiel. Unternehmen nutzen Co-Creation Prozesse innerhalb verschiedener Phasen der Wertschöpfungskette. Eine Befragung für den Bereich Produktentwicklung in Amerika zeigt, dass gerade die Bereiche der Ideenkreation und Konzeptentwicklung Potenzial für die Einbeziehung von Kunden im Rahmen von Co-Creation haben.


 eMarketer, 2011

Gerade im Automobilbereich sind in letzter Zeit Crowdsourcing und Co-Creation Ansätze zu sehen.
Local Motors ist ein sogenannter Open Source Automobilhersteller. Die Community von Local Motors designet, konstruiert und baut Automobile selbst.



Im Folgenden sind sechs Versionen des ersten co-created Rally-Fighter zu sehen. Dieses ist das erste Automobil von Local Motors oder sogar weltweit(?), welches komplett innerhalb von Co-Creation-Prozesse entworfen und gebaut wurde. (Link)



Am 2. März findet dazu speziell ein Webinar „Co-Creation Forum Presents: Local Motors on Co-Creation” von Local Motors statt. Weitere Informationen zu Local Motors finden sich in einer Studie von doubleYUU, T-Systems und der Uni St. Gallen.

Bei BMW existiert ein spezielles Co-Creation Lab. "Crowdsourcing bietet der BMW Group die einzigartige Möglichkeit, externen Input als zusätzliche Ideen- und Impulsgeber unter anderem in die Modellentwicklung zu integrieren“, so Andreas-Christoph Hofmann (Leiter BMW Markenkommunikation, Horizont 37/2011, 15.09.2011). Unter dieser Plattform werden sämtliche Projekte gemanagt, bei denen die Kunden miteinbezogen werden. Die Co-Creation Lab dient für alle Automobilinteressierten, die Ideen und Meinungen zur automobilen Welt (mit)teilen möchten.


Co-Creation Lab BMW

Auch Audi hat ein sogenanntes Virtual Lab für Co-Creation Projekte. Im Rahmen von zwei Projekten wurde zusammen mit über 7.000 Kunden das multimediale Hauptbedienelement in der Konsole für Deutschland, Japan und den Vereinigten Staaten von Amerika kreiert bzw. angepasst. So konnten die unterschiedlichen Kundenbedürfnisse der verschiedenen Länder in der Entwicklungsphase berücksichtigt werden. (Link)


Audi Virtual Lab (s. a. Link)

Für aktuelle Informationen und Projekte im Bereich Co-Creation bei Unternehmen sei die Website Eyeka empfohlen.

Zusammenfassung / Ausblick
Diese neue interaktive Wertschöpfung verlangt von den Unternehmen eine Öffnung. Kundenwünsche und –ideen müssen zugelassen werden, viel mehr noch, diese sind gewünscht und werden quasi über Co-Creation Prozesse eingefordert.
Früher war es zugegebener Maßen schwierig, Kundenbedürfnisse und –ideen festzustellen. Die Unternehmen mussten selbst überlegen, was der Kunde möchte und was marktadäquat ist. Dadurch kapselten sich die Unternehmen z.B. in dem Prozess der Produktentwicklung von dem direkten Kontakt zum Kunden ab.
Durch die Möglichkeiten des Web 2.0 und das daraus mögliche Co-Creation und Crowdsourcing sind nun die Unternehmen zunehmend gefordert, diese Kapselung aufzubrechen und den Kunden einzuladen, gemeinsam neue Produkte zu entwerfen.
Wichtig bei Crowdsourcing/Co-Creation ist, dass die Teilnehmer motiviert sind. Die Aufgaben müssen als Module aufgeteilt sein, damit die Teilnehmer diese leicht bearbeiten können. Der Nutzer kann leichter über einen Teilaspekt des Designs entscheiden als über die Komplettausstattung eines Automobils.
Heute versuchen gerade innovationsgetriebene Unternehmen, Neuentwicklungen mit Patenten zu schützen. Auf der anderen Seite führt die Öffnung und Offenheit zu Open Source Entwicklungen. Hier wird es zu einem Spannungsfeld zwischen Schutz des geistigen Eigentums des Unternehmens und der Crowd-Entwicklungen kommen.

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