Connected cars – das Auto als App-Manager für Kundenkommunikation

16. März 2014

Die Standards für die Kommunikation von Connected Cars sind verabschiedet. Der Markt wird deutlich wachsen und die Automobilhersteller integrieren in die neuen Modelle entsprechende Kommunikationstechnologie.

Für das Marketing bedeutet dieses, dass durch die zunehmende Integration in das Fahrzeug genau dort für die Zielgruppe bestimmte Services angeboten werden können. So können leicht für den jeweiligen Fahrer bestimmte Apps verfügbar sein.

Denkbar ist dieses erstmal für jedes werbetreibende Unternehmen. So kann eine Krankenkasse eine App zum entspannten Fahren anbieten, Einkaufsmärkte können Preisvergleich-Apps fürs Tanken oder Park-Apps anbieten oder regionale Zeitungen versorgen akustisch den Fahrer mit aktuellen Informationen über eine entsprechende App.

Erkennt der Fahrer einen Mehrwert in einer App, wird er diese in seinem Auto nutzen. Das Gute nun ist, dass der Fahrer während des Fahrens nicht produktiv sein kann, d. h. er kann die App entsprechend intensiv nutzen.

Dadurch entsteht eine dauerhafte Kundenkommunikation, die zu einer loyalen Kundenbeziehung führen kann.

Vor 2 Wochen durften wir auf der Veranstaltung „Social Media in der Versicherungswirtschaft“ referieren. Gerade die Versicherungsbranche punktet im Bereich Technologie und Internet. In unserem Vortrag stellten wir u.a. Ansätze vor, der aufzeigt, wie das Verhalten der Nutzer und Internet-Technologie ganz pragmatisch im Bereich der Autoversicherungen nützlich ist, z. B. spezielle Tarife bei einem guten Fahrstil. Dieses führte mich im Nachgang zu dem Thema Connected Cars und diesem Blogbeitrag.

Telematik im KFZ
Seit diesem Jahr bietet die Sparkassen DirektVersicherung einen sogenannten Telematik-Tarif an. Mit einem ordentlichen Fahrstil lässt sich so 5% der Versicherungsprämie einsparen.


Bild https://www.sparkassen-direkt.de/telematik

Hierzu wird eine sogenannte Telematik-Box eingebaut und diese sammelt Daten über Fahrzeit, zurückgelegte Kilometer, Geschwindigkeitsüberschreitungen und Bremsverhalten.

Momentan wird diese Box primär für die Dokumentation der Fahrweise genutzt, aber erste zusätzliche Services sind auch schon verfügbar. So wird automatisch ein Notruf gewählt, wenn ein Unfall passiert und das Auto kann bei einem Diebstahl geortet werden.
5% Prämienreduktion ist nicht viel, aber es zeigt, dass man alleine durch das Wissen über den jeweiligen Fahrstil eine günstigere Prämie anbieten kann. Die Versicherung State Farm in den USA offeriert übrigens 10% Nachlass bei einem guten Fahrstil. (Link)


Connected Cars – die Standards sind da
Vor wenigen Tagen hat die EU die Standards für Connected Cars verabschiedet. Die zuständigen Organisationen European Telecoms Standards Institute (ETSI) und Europäisches Komitee für Normung (CEN) definierten Standards für die Kommunikation bei und zwischen Connected Cars. Die Standards wurden auch im Hinblick auf andere Märkte wie USA und Japan erarbeitet. (Link)

 
Connected Car Infrastruktur (Bildquelle)


Der Markt von Connected Cars
Heute gibt es ~ 1,1 Mrd. Autos weltweit (ein „Live-Ticker“ findet sich auf http://www.worldwide-datas.com/autos/). Letztes Jahr prognostizierte VDA-Chef Wissmann einen massiven Anstieg der vernetzten Automobile untereinander. Er sprach von der „digitalen Revolution“ in der Automobilbranche. So geht man davon aus, dass 2016 210 Mio. KFZ untereinander vernetzt sind. Dieses entspricht ein Wachstum von 36% und würde in 2 Jahren einen Anteil von ~20% ausmachen. (Link)

Auf der Oracle OpenWorld 2013 zeigte Dr. Kiessling von der Deutschen Telekom, dass in 2 Jahren 80% aller verkauften Neuwagen vernetzt sein werden.


Chart auf der Oracle OpenWorld 2013 zu Connected Cars (Link)

Das Verkehrsministerium in den USA rechnet damit, dass 80% der Unfälle vermieden werden können, wenn entsprechende Vernetzung und Services zwischen den Fahrzeugen vorhanden ist. (Link)

Es ist heute die Aufgabe der Automobilbranche zusammen mit Mobilfunkunternehmen und Dienstleistern entsprechend Services zu konzipieren und umzusetzen, die dem Nutzer einen Mehrwert aufzeigen.

Der direkte Mehrwert für den Nutzer ist essenziell.
Nur ein klarer und sichtbarer Nutzen kann höhere Preise rechtfertigen.

Eine Prämienreduktion wie bei der Sparkassen DirektVersicherung ist ein erster Schritt in diese Richtung.


Services von Connected Cars
Die Idee von „Connected Cars“ geht noch einen Schritt weiter und greift dabei das „Internet der Dinge“ auf. Kern des „Internet der Dinge“ ist, dass unsere alltäglichen Produkte untereinander kommunizieren und dann eventuell auch autonom handeln.
Bisher gibt es keine allgemein gültige Beschreibung des Konzepts Connected Car. Eine Übersicht findet sich auf einem Wiki einer Hochschule in Dortmund.
Connected Cars beschreibt allgemein die Kommunikation von Fahrzeugen mit unterschiedlichen Empfängern, wie im Fahrzeug selbst, zu anderen Fahrzeugen oder allgemein zu der Infrastruktur rund ums Autofahren.


I. Dienste innerhalb des Fahrzeugs
Die erste Stufe der Kommunikation von Diensten im Fahrzeug selbst kennen wir alle von dem Anschließen eines iPods z.B. via Bluetooth an das Audiosystem des KFZ.


Integration iPod in Fahrzeugen

Dieses ist nicht neu …
Zusätzlich kann mit der Nutzung einer mobilen Internetverbindung die Aktualität und damit Qualität der Verkehrsinformationen erhöht werden. Somit können aktuelle Verzögerungen wie Baustellen oder Sperrungen angezeigt werden. Des weitern ist es auch möglich, das Auto und damit den Fahrer mit Wetterdaten, z.B. Warnung vor Unwetter, zu versorgen.


II. Dienste Fahrzeug zu Fahrzeug
Andere Fahrer können mit ihrem Fahrverhalten anderen Fahrern helfen, besser bzw. sicherer zu fahren. Es liegt auf der Hand, dass zuerst ein Fahrzeug weiter vorne im Streckenverlauf eine Gefahr erkennt bzw. eine Information bekommt.


BMW Car-to-Car Connection


Falls ein Auto in einen Unfall verwickelt ist, kann dieses Auto sofort die nachfolgenden Fahrzeuge und Fahrer automatisch warnen. Dieses geschieht parallel zu dem automatischen Notruf und deutlich vor der Verfügbarkeit bei zentralen Verkehrsinformationsdiensten.
Aber auch Fahränderungen können anderen Verkehrsteilnehmern helfen. Wenn z.B. der Scheibenwischer an ist und das ABS beim Bremsen anspricht, ist dieses ein Zeichen für Aquaplaning an einer bestimmten Stelle.


III. Dienste Mobilität - Mitfahr-Services
Neben technischen Diensten sind auch Services z. B. der Unterstützung von Fahrgemeinschaften bzw. Mitfahren möglich. Letztes Jahr hat das „Mitfahrnetzwerk für spontane Mobilität“ flinc eine Kooperation mit Garmin bekannt gegeben. So wird der Dienst flinc in das Navigationsgerät integriert und ermöglicht so, dass komfortabel mögliche Mitfahrer auf der Strecke angezeigt werden. (Link)


flinc integriert im Garmin Navigon

 
BMW i3
Besonders erwähnenswert ist es, dass nun das Mitfahren (via flinc) im BMW i3 fest vorinstalliert ist. Somit kann das Connected Car BMW i3 nicht nur die „Basis-Funktionen“ einer Fahrzeugvernetzung nutzen, sondern von Beginn ist es möglich, Mitfahrer mit dieser App leicht zu finden. Das Navigationsgerät oder besser gesagt flinc rechnet aus, ob sich der Umweg, um einen Mitfahrer aufzunehmen, sich lohnt. (Link)


IV. Vernetzung zu Dienstleistern
Heute schon können Connected Cars mit vielen Dienstleistern via spezifischen Apps kommunizieren.
BMW hat die momentanen Services für BMW i-Modelle aufgeführt:


BMW Connected Drive

Man kann deutlich erkennen, dass das Fahrzeug zum eigenen App-Manager für den Fahrer wird. So hat der Fahrer neben den Diensten des Automobilherstellers Zugang zu Glympse, verschiedenen Google Diensten, Webradios, snippy, Deezer, Napster, Audible, Pandora sowie Facebook und Twitter.
Wenn diese Dienste genutzt werden, können je nach Dienst Gebühren anfallen. Das Fahrzeug könnte zukünftig selbst bestimmte Services buchen und dann auch autonom bezahlen.

Vor einen Monat hat General Motors seinen AppShop vorgestellt, der sämtliche Apps für Connected Cars von General Motors beinhalten wird. Momentan beinhaltet der AppShop 12 Apps. GM wird weitere Apps für Connected Car prüfen und dann integrieren. Der Fahrer muss entscheiden, welcher Musikdienst abonniert wird und alleine aus diesem Grund muss GM mehrere Optionen für Musikdienste bereitstellen. Wichtig ist hierbei immer, dass die Apps sinnvoll für die eine Fahrzeugnutzung sind. (Link)

Ab 2015 sollen die neuen Modelle sukzessive die Connected Car - Technologie besitzen.


AppShop von GM in einem Chevy Impala


Handlungsoptionen & Ausblick
Die Standards für die Kommunikation von Connected Cars sind verabschiedet. Der Markt wird deutlich wachsen und die Automobilhersteller integrieren in die neuen Modelle entsprechende Kommunikationstechnologie.

Für das Marketing bedeutet dieses, dass durch die zunehmende Integration in das Fahrzeug genau dort für die Zielgruppe bestimmte Services angeboten werden können. So können leicht für den jeweiligen Fahrer bestimmte Apps verfügbar sein.

Denkbar ist dieses erstmal für jedes werbetreibende Unternehmen. So kann eine Krankenkasse eine App zum entspannten Fahren anbieten, Einkaufsmärkte können Preisvergleich-Apps fürs Tanken oder Park-Apps anbieten oder regionale Zeitungen versorgen akustisch den Fahrer mit aktuellen Informationen über eine entsprechende App.

Erkennt der Fahrer einen Mehrwert in einer App, wird er diese in seinem Auto nutzen. Das Gute nun ist, dass der Fahrer während des Fahrens nicht produktiv sein kann, d. h. er kann die App entsprechend intensiv nutzen.

Dadurch entsteht eine dauerhafte Kundenkommunikation,
die zu einer loyalen Kundenbeziehung führen kann.

 

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