Buy buy Baby: Von Warenkörben bis zum mobilen Kreditkartenterminal

29. August 2014

Deutschland ist für E-Commerce höchst relevant - nach UK der wichtigste Markt in Europa. Ebay und Amazon - als eine der größten Player - diversifizieren und expandieren gerade, um neue Geschäftsfelder bis hin zu Geschäftsmodellen aufzubauen.

Es ist nicht mehr der pure Online-Handel, es ist vor allen die Wertschöpfung durch die Abwicklung des Bezahlens. Dieses weitergedacht könnte dazu führen, dass Ebay und Amazon auf Verkaufsprovisionen verzichten, um den Bezahlvorgang abbilden zu können.

Ein virtuelles Kaufhaus ohne Verkaufsprovisionen würde sicherlich zu einer

deutlichen Anstieg von Händlern führen.

Das Produktsortiment würde breiter und tiefer und damit attraktiver für den Konsumenten.

Deutschland – das Land des Online-Handels
In letzter Zeit rüsten alle Online-Handel-Plattformen auf und launchen immer neue Funktionen. Deutschland ist – trotz noch ausbaufähiger Internetinfrastruktur und die noch oftmals nicht auf das Internet abgestimmte Rechtsnormen – ein Eldorado des E-Commerce.

Ein Blick auf eine aktuelle Studie von deals.com zeigt, dass in Deutschland sehr viel online pro Kopf eingekauft wird. Nur in Großbritannien nutzen die Konsumenten noch mehr E-Commerce für den Einkauf.


Studie von deals.com

Pro Online-Nutzer liegt Deutschland in 2014 grob gleichauf mit dem E-Commerce-Konsument in den USA im vergangenen Jahr. Somit hat Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich aufgeholt. Die Studie prognostiziert ein Wachstum im Online-Handel von ~22,5% und in den USA von 14,5%. Somit werden die Online-Ausgaben und die Bedeutung von E-Commerce in Deutschland in Zukunft genauso relevant sein wie in anderen Märkten wie den USA oder UK.


Auktion war gestern, Ebay ist Shopping
Ebay war und ist die Virtualisierung des klassischen Flohmarkts. Die Auktion ist das Modell des Verkaufs im C2C-Bereich. Hier geht es darum, den Handel auf dem Flohmarkt nachzuempfinden und gerade eine Preisfindung für sehr spezielle Produkte zu ermöglichen.
Auf der anderen Seite entwickelt sich Ebay immer mehr in Richtung Kaufhaus und eifert somit Amazon nach. Eine Erneuerung ist der jetzt verfügbare Warenkorb. In Großbritannien ist die Warenkorb-Funktion schon eingeführt. (Link)


Warenkorb Ebay Screenshot


In Deutschland startete Ebay die sukzessive Implementierung dieser Funktionalität Anfang August und soll demnächst allen Käufern zur Verfügung stehen. (Link) Die Funktion kann man schon unter http://pages.ebay.co.uk/shoppingbasket/ anschauen und bei Ebay UK bei den angebotenen Artikeln testen.

Das Alleinstellungsmerkmal von Ebay war und ist(?) der Verkauf im C2C-Bereich über das Ersteigern von Produkten. Ebay sollte vor lauter Shopping-Euphorie nicht vergessen, wo genau das Alleinstellungsmerkmal war und ist. Über den Flohmarkt-Charakter und die entsprechende C2C-Community erlangt Ebay entsprechende Reichweite, gerade auch im Long Tail.

Die Ebay-Community nutzt oft Auktionen als Verkaufsmethode. Hier wäre eher zu überlegen, ob eine Diversifikation auch die Möglichkeit TopDown-Auktionen (Holländische Versteigerungen) anzubieten. Hier fällt der Preis in einem bestimmten Zeitraum und die Beobachter können entsprechend „zuschlagen“, wenn der Preis niedrig genug ist.
Am liebsten möchte man Ebay zurufen,


Ebay diversifiziere so vielfältig wie Du magst, aber auch
„Schuster bleib bei Deinen Leisten“.


Flexible Bezahlung via Paypal
Paypal, der Zahlungsdienstleister und Tochterunternehmen von Ebay, hat sich zu einem etablierten Anbieter für das elektronische Bezahlen entwickelt.
In einer aktuellen Studie des EHI verzeichnet der Kauf via Paypal den größten Zuwachs und liegt mit ~20% Marktanteil hinter der Bezahlmethode „Kauf auf Rechnung“ mit ~25% (Datenbasis 2013). Ein Jahr vorher hatte Paypal noch einen Marktanteil von 16%, das bedeutet das Paypal seinen Marktanteil um ~23% gesteigert hat.

Jetzt geht PayPal einen nächsten Schritt. In den USA können Kunden bereits Einkäufe per PayPal Credit bezahlen. PayPal bietet hier eine Finanzierungslösung an, wenn der Händler dieses zulässt.


PayPal Credit

Die Finanzierung in den USA ist kostenfrei für den Kunden. Bei einer Zahlpause oder bei Zahlungsverzug werden Gebühren fällig.
PayPal Credit wird in den nächsten Wochen in anderen Ländern verfügbar sein. So wird PayPal Credit bis Ende des Jahres in UK und Deutschland verfügbar sein. (Link)

Die Konditionen sind hierbei noch nicht verfügbar. Es wird vermutet, dass in Deutschland PayPal ein Zahlungsziel von 14 Tagen anbieten wird, welches kostenfrei für Händler und Kunden sein wird. (Link)

Interessant in dem Zusammenhang ist auch, dass PayPal ein spezielles Kreditprogramm für Kleinunternehmer (PayPal Working Capital) hat, welches ebenfalls für andere Länder wie Australien ausgerollt werden soll. PayPal expandiert somit auch im B2B-Markt sukzessive in andere Länder.


Amazon steht hier nicht nach – der Weg zum Omnichannel
Während Ebay einen Schritt in Richtung Shopping-Mall geht und mit PayPal die Zahlungsoptionen ausbaut, geht Amazon den Schritt in Richtung Offline.
Mit einem speziellen handlichen Kreditkartenterminal (Local Register) bietet Amazon kleinen Händlern, die Möglichkeit per Kreditkarten bezahlen zu lassen. Die Hardware kostet lediglich $10 für den Händler. (Link)


Amazon Local Register

Gedacht ist die Lösung für Händler, die nicht nur stationär Produkte oder Dienstleistungen anbieten. Auf Märkten können Händler oder Handwerker so vor Ort eine Kreditkartenzahlung ermöglichen.

Spannend wird dieses nun mit der Ankündigung von Amazon mit dem Lebensmittelhandel in Deutschland zu starten.
Zukünftig könnte so Amazon die Bezahlung bei Lieferung bei seinem eigenen Bringdienst aber auch bei sämtlichen anderen Bringdiensten ermöglichen.


Die Kosten für Local Register zeigen, dass Amazon die vorhandenen anderen Anbieter wie PayPal oder Square preislich deutlich angreift und Marktanteil in den nächsten Monaten erobern möchte.


Kostenvergleich Amazon, PayPal, Square

Amazon ist mit 1,75% (Kondition bis 31.12.2015) vom Einkaufswert deutlich günstiger als PayPal mit 2,7%.

Es passt sehr gut ins Bild, dass Amazon z.B. durch Amazon Fresh einen eigenen Lieferdienst besitzt und weiterausbaut. Amazon weiß, dass diese Logistikdienstleistung sehr wohl für andere Händler nutzbringend ist und wird dieses nach Ansicht des Autors mittelfristig auch anderen Händlern zur Verfügung stellen.
Amazon ist nicht mehr ein virtuelles Kaufhaus, in dem auch andere Händler anbieten dürfen. Amazon diversifiziert in Richtung stationärer, mobiler und adhoc-Handel.
 

Amazon will Teil in jedem Kaufprozess sein,
Amazon wird Omnichannel …



Zusammenfassung
Deutschland ist für E-Commerce höchst relevant - nach UK der wichtigste Markt in Europa. Ebay und Amazon - als eine der größten Player - diversifizieren und expandieren gerade, um neue Geschäftsfelder bis hin zu Geschäftsmodellen aufzubauen.
Es ist nicht mehr der pure Online-Handel, es ist vor allen die Wertschöpfung durch die Abwicklung des Bezahlens. Dieses weitergedacht könnte dazu führen, dass Ebay und Amazon auf Verkaufsprovisionen verzichten, um den Bezahlvorgang abbilden zu können.
Ein virtuelles Kaufhaus ohne Verkaufsprovisionen würde sicherlich zu einer
 

deutlichen Anstieg von Händlern führen.
Das Produktsortiment würde breiter und tiefer und damit attraktiver für den Konsumenten.


Eine aus Sicht des Autors durchaus denkbare Entwicklung …
 

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