Bezahlsysteme endlich ante portas

03. Juni 2013

Die letzten Tage waren durch einige Entwicklungen im Bereich Bezahlen geprägt. Aus unserer Sicht sind innovative Bezahllösungen im Bereich von etablierten und neuen Geschäftsmodellen das Herzstück.

Edeka geht mit seinem Tochterunternehmen und Discounter-Marke Netto einen eigenen Weg in Richtung Mobile Payment und ist damit Vorreiter im Bereich Mobile Payment.

Nicht nur im Lebensmitteleinzelhandel gewinnt das Thema Bezahlen an Fahrt. Endlich arbeiten auch große Händler an einer vertikalen Diversifikation ihrer Geschäftsmodelle. So startet die Otto Gruppe in einem Monat mit ihrem Bezahlsystem Yapital.

Die letzten Tage waren durch einige Entwicklungen im Bereich Bezahlen geprägt. Aus unserer Sicht sind innovative Bezahllösungen im Bereich von etablierten und neuen Geschäftsmodellen das Herzstück.

Netto – der Lebensmittel-Discounter als Vorreiter
Edeka geht mit seinem Tochterunternehmen und Discounter-Marke Netto einen eigenen Weg in Richtung Mobile Payment und ist damit Vorreiter im Bereich Mobile Payment.
Bei Netto wurde die entsprechende Netto-App in den letzten Wochen recht lautstark beworben.

Die Edeka-Gruppe nutzt Mobile Apps zur Kundenbindung seit einiger Zeit. Hersteller der Apps ist dabei Valuephone. Ziel dieser Apps liegt in der Schaffung von

 

  • Kundenbindung und
  • die Erweiterung des Einkaufens.

So soll der Kunde die Apps quasi zur Vor- und Nachbereitung des Einkaufs nutzen. Via dieser Mobile Apps werden entsprechende Rabatt- und Gutscheinaktionen angeboten, um so einen klaren Mehrwert gegenüber den Kunden zu bieten.


Edeka-App


Neben Edeka sind die Apps von valuephone auch bei Telekom-Shops im Einsatz.


Mobile Payment funktioniert
Die Netto-App kann jetzt auch den Bezahlvorgang abbilden. Nun der Selbstversuch:
Nachdem die Netto-App installiert ist, muss man sich für das Mobile Payment anmelden. Neben der Adresse sind Kontodaten und Personalausweisnummer zu übermitteln, um an dem Postpay-Verfahren der Deutschen Post teilzunehmen.
Gesagt getan: einen Freischaltcode auf das Smartphone und noch einen Freischaltcode auf das Konto mittels einer Überweisung von 1 Cent. So werden Handy-Nummer und Konto verifiziert.


Screenshot Mobile Payment Netto-App

Der nächste Schritt ist das Ausprobieren. Ich bin am Vormittag letzten Mittwoch in die Netto-Filiale in der Schnorrstraße in Dresden gegangen. Vorher noch einen Coupon in der Netto-App markiert und dann mit einem moderaten Einkauf an die Kasse.
Zur Sicherheit habe ich vor dem Einscannen gesagt, dass ich mit der App bezahlen möchte. Die Kassiererin nickte kurz. Beim Bezahlen nannte ich die Pin auf der App, diese tippte die Kassiererin ein und … das war es. Keine Rückfrage, kein technisches Problem.
 

Screenshot Coupons & Mobile Payment Netto-App

Dabei nutzt die App keine besondere neue Technologie, wie Google Wallet oder NFC.

Einfachheit und Vertrauen sind beim Bezahlen die Erfolgsfaktoren. So wird das Lastschriftverfahren der Deutschen Post verwendet. Nach Bestätigung des Kontos kann der Kunde bis zu 250€ pro Woche einkaufen. (Link)

Chancen für Edeka und den Lebensmitteleinzelhandel
Der stationäre Handel sieht oft in dem Digitalen Handel Kannibalisierungseffekte. Der Lebensmitteleinzelhandel ist hiervon sicherlich weniger betroffen. Jetzt eröffnen sich für Edeka im Speziellen neue Chancen und Geschäftsfelder.
Durch den Vorstoß im Bereich Mobile Payment kann sich Edeka als Mobile Payment – Dienstleister etablieren. Die App sorgt für Kundenbindung und unterstützt/übernimmt das Bezahlen. Der nächste Schritt wäre, genau mit dieser App andere stationäre Händler einzubinden. So können andere Händler an der Lösung der Edeka-Gruppe teilhaben, ohne selbst eine App auf den Markt zu bringen.
Dieses wäre eine Win-Win-Situation.
Edeka profitiert von der eigenen App mit der Funktionalität und kann die weitere Verwendung des Mobile Payments an andere Händler vertreiben. Aus Sicht des Kunden ist dieses sicherlich eine wünschenswerte Entwicklung, eine Bezahl-App zu haben, mit der man bei Edeka sowie Netto und z.B. bei H&M, Karstadt, Vapiano, MediaMarkt etc. einkaufen kann.

Die Vergangenheit lehrt uns aber etwas Anderes. Damals bei der Geldkarte konnten sich die Unternehmen nicht einigen, wer auf der Geldkarte als Herausgeber steht und ob Wettbewerber untereinander auf der Geldkarte eigene Mini-Apps anbieten können.

Es ist zu befürchten, dass Händler nun nach dem Mobile Payment von Netto nachziehen und selbst Apps entwickeln, die keinen zusätzlichen Unterschied zur Netto-App besitzen. Ohne einen zusätzlichen Mehrwert für den Kunden, ist dieses sicherlich nicht im Sinne des Kunden, des Erfinders.

Apps müssen durch einen eigenen Mehrwert überzeugen. Apps von allen Händlern mit der gleichen Funktionalität werden sich nicht durchsetzen, sondern eher das Geschäftsfeld für einen Intermediär, der mit einer Meta-App die einzelnen Einkaufs- und Payment-Apps bündelt.
Ein solcher Intermediär könnte theoretisch ein Startup sein, auf der anderen Seite zählen Einfachheit und Vertrauen beim Einkaufen. Der Deutschen Post würde so eine Rolle als Mobile-Payment-Anbieter für sämtliche stationären Händler gut stehen.


Otto Group startet eigenes Bezahlsystem
Nicht nur im Lebensmitteleinzelhandel gewinnt das Thema Bezahlen an Fahrt. Endlich arbeiten auch große Händler an einer vertikalen Diversifikation ihrer Geschäftsmodelle. So startet die Otto Gruppe in einem Monat mit ihrem Bezahlsystem Yapital.


Screenshot Yapital

Interessant ist, dass die E-Commerce-Plattform Rakuten bei Yapital als Partner mitmachen wird. Rakuten ist ein japanisches börsennotiertes Unternehmen und zählt als Internetunternehmen unter den Top 10.

Yapital spricht den Einzelhandel an und will Zahlungen sowohl im stationären Bereich als auch mobil und online ermöglichen. Kern von Yapital ist das Einscannen von QR-Codes auf den Produkten. Dadurch wird der Warenkorb gefüllt und dann Yapital übernimmt den Checkout im Handel. (Link)

Der größte Wettbewerber ist hier Paypal. Paypal gibt es in Deutschland seit 2004 und inzwischen gibt es über 15 Mio. Kundenkonten in Deutschland. Andere globale Player sind häufig schneller im Diversifizieren und Erweitern ihrer Geschäftsmodelle. Paypal konnte sich in den letzten 9 Jahren – fast ohne großen Wettbewerb in dem Bereich – Marktanteile in Deutschland sichern.

Es ist zu überlegen, ob der Erwartungswert des Risikos einer frühzeitigen Geschäftsfeldentwicklung
nicht geringer ist als die Aufwendungen der Rückeroberung der Marktanteile von Paypal.

Auf jeden Fall ist die Ansage von Yapital zur Markterschließung deutlich: „Yapital ist ein europäisches Bezahlsystem.“ (Link)


Zusammenfassung und Ausblick
2013 scheint das Jahr des Mobile Payments zu werden. Wenn Edeka und Otto fast zeitgleich mit Bezahlsystemen starten und nur ein Bruchteil ihrer Kunden diese nutzen, kann die kritische Masse erreicht werden.
Der Konsument honoriert den Aspekt Vertrauen. Paypal bietet ein Käuferschutz-Programm für Online-Einkäufe an. Dieses ist auch denkbar für den Handel im stationären und digitalen Bereich bei anderen Bezahlsystemen.
Somit wird es spannend, ob und wie diese neuen Bezahlsysteme diesen Aspekt bedienen werden.

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