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iBeacons – der NFC-Killer

17. April 2014

NFC und mobiles Zahlen kommt noch nicht so richtig in Schwung. Hier sind sowohl noch die Betreiber von mobilen Zahlungssystemen als auch die Hersteller und die Händler aufgefordert, den Kunden einen Mehrwert für das mobile Zahlen deutlich aufzuzeigen und zu bieten. Wir hatten dazu vor 3 Jahren in unserem Blog berichtet.
Jetzt scheinen die iBeacons von rechts zu überholen …

iBeacons
Mitte letzten Jahres erwähnte Craig Federighi, Senior Vice President für Software-Entwicklung, nur kurz iBeacons als neue Bluetooth-Anwendung während der Apple Entwicklerkonferenz WWDC. (Link)
iBeacon ist ein proprietäres System von Apple, welches auf dem Bluetooth Low Energy-Standard aufsetzt und die Navigation in geschlossenen Räumen ermöglicht.


iBeacons für Indoor-Navigation und Anwendungen (Quelle)

In erster Linie können iBeacons via Bluetooth im Nahbereich mit mobilen Geräten kommunizieren – grob vergleichbar mit den Möglichkeiten von NFC.
iBeacons unterstützen bzw. sind das Instrument für den Bereich „Micro-Location“. In geschlossenen Räumen kann nicht via GPS navigiert werden. iBeacons bieten hier entsprechende Möglichkeiten.


Anwendungsszenario von iBeacons (Quelle)

Spannend in dem Zusammenhang ist auch, wie seit Mitte letzten Jahres sukzessive das Interesse an iBeacons ansteigt. Auffällig ist das deutliche Interesse an dieser Technologie im asiatischen Raum und den Niederlande. Später stellen wir noch Beispiele aus den Niederlanden und Belgien vor.

 
iBeacons bei Google Trends
Im Vergleich zum Traffic nach NFC liegt aber das Interesse an iBeacons noch deutlich zurück.


Anwendungen
Anwendungen sind vielfältig denkbar. So kommen primär Branchen in Frage, die primär Indoor-Bereiche benötigen, z.B.:

  • Stationärer Handel
  • Private Wohnung
  • Museen
  • Bürogebäude
  • Kliniken etc.


Fangen wir einmal im privaten Umfeld an:

Zu Hause
IBeacons sind erschwinglich, so gibt es 3 Beacons für ~100$ von Estimote oder auch schon für 5$ pro Stück von Qualcomm. (Link)
Um die iBeacons entsprechend ansteuern zu können, benötigen wir noch eine App wie z.B. Placed
Die Möglichkeiten sind leicht zu beschreiben. Wenn Sie das iBeacon an einen Gegenstand heften, können bestimmte Aktionen ausgelöst werden, wenn Sie in die Nähe kommen. So kann automatisch das Radio angehen, wenn Sie in dessen Nähe sind. Oder der iBeacon ist am Sofa angeheftet und wenn Sie in der Nähe ist, kann die Fernbedienung für den Fernseher automatisch angesteuert werden. (Link)

Museum – Infotainment
Ein nächster Bereich sind Museen, in denen iBeacons eingesetzt werden können. In dem Museum „The Rubens House“ in Antwerpen können Besucher mittels iBeacons navigieren und interaktiv mit einer mobilen App das Museum erkunden. So können Nutzer „in Dialog“ mit den Werken von Peter Paul Rubens treten. So ermöglicht diese App einen erweiterten Blick (augmented reality) auf die Gemälde. Der Besucher kann sich den Stammbaum von Peter Paul Rubens anschauen oder auch Details der Bilder auf dem Smartphone heranzoomen. Röntgenbilder der Gemälde und ein Quiz runden diesen interaktiven Museumsbesuch ab. (Link)



Erlebnispark
Zwei Autostunden nördlich von Antwerpen führte am 29.3.2014 der Erlebnispark Fluwel's Tulpenland in den Niederlanden zur diesjährigen Eröffnung iBeacons zur interaktiven Parkerkundung ein. So werden die iBeacons dazu genutzt, dem Besucher die jeweiligen Informationen an der jeweiligen auf seinem Smartphone einzublenden. Das Smartphone wird zu zum Parknavigator in diesem Erlebnisland. (Link)


Ausstellung von Tulpen von Fluwel`s Tulpenland

Mobiles Bezahlen
Es liegt auf der Hand, dass der Weg zwischen den aufgezeigten Anwendungen zum mobilen Bezahlen recht kurz ist. Apple denkt hierbei auch über eine Ausweitung des Dienstes nach. (Link)
Apple geht hier aus Sicht des Autors einen sinnvollen, gar cleveren Weg. Durch die Installation und Nutzung von iBeacons-Anwendungen wird der Nutzer einen Mehrwert im stationären Handel bekommen. Damit wird das Smartphone zum Indoor-Navigator und was liegt näher, dieses auch gleich zum Bezahlen zu nutzen. Somit wird Apple wahrscheinlich demnächst eine Bezahlfunktion proaktiv in Verbindung mit den Anwendungen anbieten.

Der Markt des Mobilen Bezahlens ist noch nicht erobert:

  • Bei NFC streiten sich gewissermaßen Hersteller und Händler darum, wer die Technologie bereitstellt und ob es einen zusätzlichen Mehrwert für den Nutzer geben muss.

  • Paypal als Bezahldienst im Online- aber auch zunehmend Offline-Stores bietet seit Ende letzten Jahres einen „Eincheck-Dienst“ an, der ebenfalls auf Bluetooth und Beacons funktioniert. Hier soll die Technologie Mitte 2014 in Europa verfügbar sein. (Link)

  • Apple wendet die/seine Strategie „Customer first“ an und bietet zuerst einen klar sichtbaren Nutzen von iBeacons an und führt eventuell darauf aufbauend die Möglichkeit des Mobilen Bezahlens ein.


Wenn zwei sich streiten (bei NFC Händler und Hersteller), freuen sich die Dritten wie Apple und Paypal.

Vielleicht führt es auch dazu, dass nun Hersteller und Händler im Bereich von NFC dem Kunden einen klaren Vorteil bieten, nur so wäre, der Technologievorsprung zu halten und der Technologiewettbewerb zu gewinnen.

Die Technologie von NFC kann als fortschrittlicher beurteilt werden und hat auch schon das sogenannte „Tal der Tränen“ im Hype Cycle durchschritten. (Link)
Auf der anderen Seite gibt es schon Berichte, bei denen von einer Abkehr von NFC berichtet wird, z.B. die NFC-Bezahltechnologie beim VfB Stuttgart. (Link)

NFC ist keine proprietäre Lösung und ermöglicht ein mobiles Payment,
Apple setzt mehr auf den sichtbaren Nutzen für den Kunden.


Es bleibt spannend, welcher Ansatz sich durchsetzen wird.

Handlungsempfehlungen
Nach Ansicht des Autors werden zukünftig iBeacons oder Beacons mit Anwendungen im stationären Handel assoziiert. Jede Agentur sei empfohlen, die Möglichkeiten für zukünftige Services im Digitalen Marketing für ihre Kunden zu prüfen und proaktiv vorzuschlagen.
Jedes Unternehmen, welches eine Filiale bzw. stationären Standort hat, kann der Zielgruppe über diese Technologie individualisierte Inhalte und Angebote unterbreiten. So können z.B. im Lebensmittelhandel Beratung und Rezepte individuell je nach Standort im Supermarkt und bisherigen Warenkorb unterbreitet werden.

Der Handel und Apple, das könnte …
   das wird was.

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